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Brandschutz im Ökohaus

           

  Mi., 15.02.2023

Ein Brand im Wohnhaus ist ein dramatisches Ereignis. In der Schweiz entstehen jährlich Schäden von rund 600 Millionen Franken durch Brände. Sind natürliche Baumaterialien wie Holz, Stroh oder Schafwolle ein zusätzliches Risiko, wenn es brennt? Im Gespräch mit Experten zeigt sich: Das Material ist nicht das Problem. Der Faktor Mensch macht den Unterschied.

Es ist schnell passiert: Ein Fettbrand, ein schadhafter Akku, eine vergessene Kerze, und schon züngeln Flammen in den eigenen vier Wänden. Greift das Feuer über auf Wände, Balken, Möbel, entsteht in Windeseile ein Brand mit grossem Schaden. Jedes Jahr gibt es in der Schweiz rund 20 000 Brände, die Hälfte davon in Wohngebäuden. Steigt dieses Risiko beim Bau mit ökologischen Baumaterialien wie Holz, Stroh oder Schafwolle? Der Gedanke ist naheliegend, doch Gespräche mit Experten zeigen: Die Sorgen sind nicht berechtigt. Richtig verbaut, sind umweltfreundliche Baustoffe brandsicher.

Hochhäuser aus Holz

«Es kommt nicht auf die Materialwahl an, sondern darauf, wie gebaut wird», sagt Christoph Renfer, Professor für Brandschutz und Holzbau an der Berner Fachhochschule. Diese Erkenntnis hat sich erst in den letzten zehn Jahren etabliert. Bauteile müssen die an sie gestellten Anforderungen erfüllen. Eine tragende Wand in einem Mehrfamilienhaus muss beispielsweise dressig Minuten Feuerwiderstand leisten. Das kann sowohl eine Ziegelwand wie auch eine Holzwand mit Strohdämmung erfüllen – wenn sie gut gebaut ist. Seit 2015 ist die Brandschutznorm in der Schweiz materialunabhängig. Seither dürfen beispielsweise Holzbauten bis zu 100 Meter hoch sein. Damit wird es möglich, auch bei Hochhäusern, Spitälern, Heimen oder Schulen auf nachhaltige Baustoffe zu setzen.

Stroh hinter Lehm

Auf skeptische Fragen hat Danilo Pantellini, Baubiologe bei HAGA AG Naturbaustoffe, eine klare Antwort: «Jedes Material hat seine Berechtigung am richtigen Ort.» Er setzt nicht auf Biegen und Brechen auf Naturbaustoffe, aber wo immer möglich. Und möglich ist viel: Die Auswahl an zertifizierten Produkten steigt. Stroh, Hanf oder Schafwolle beispielsweise sind als fertig verarbeitete Dämmplatten verfügbar. «Das Material ist nicht unbrennbar, aber es erfüllt die Anforderungen. Das ist entscheidend», betont Pantellini. Zusätzlich werden brennbare Baustoffe oft hinter nicht brennbaren Materialien eingesetzt, also eingekapselt. Stroh oder Schafwolle können beispielsweise gut hinter einer nicht brennbaren Lehm-oder Gipsschicht eingebracht werden. Christoph Renfer bestätigt: «Der Aufbau ist entscheidend. Ist eine Oberfläche unbrennbar, würde das Innenmaterial nur bei extrem hohen Temperaturen nach längerer Zeit Feuer fangen.»

Gut planen, nicht basteln

Das Feuer nimmt den Weg des geringsten Widerstandes – und es sucht Nahrung. Ritzen, Fugen und Löcher für Leitungen sind Stellen, die den Feuerwiderstand eines Bauteils zunichte machen können. Damit der Aufbau seine Wirkung behält, lohnt es sich beispielsweise, Leistungen statt in der Wand hinter Fuss – oder Deckenleisten zu verlegen. «Wenn Hauseigentümer selber basteln, wird es heikel», gibt Christoph Renfer zu bedenken. Wo gute Planer und Handwerker arbeiten, erreicht man heute auch mit ökologischen Baustoffen die nötigen Werte. Besonders wichtig ist die Ausgestaltung von Fugen zwischen den Materialien. Viele nachhaltige Bauprodukte «leben», das heisst sie reagieren auf Feuchtigkeit und Temperatur. Holz quillt und schwindet und die Fugen zu anderen Baumaterialien müssen entsprechend geplant sein, damit keine Ritzen entstehen.

Luftdicht heisst rauchdicht

Für klassische Einfamilienhäuser gibt es übrigens kaum Brandschutzvorschriften. Diese greifen erst, wenn mehr als eine Wohneinheit im Gebäude vorgesehen ist. Im Einfamilienhaus müssen nur Heizungsraum, Heizung und Kamine bestimmte Anforderungen erfüllen. Der Rest des Hauses gilt als ein Brandabschnitt. Ein Einfamilienhaus muss aber bauphysikalische Vorgaben erfüllen, die auch dem Brandschutz dienen: Um die Feuchtigkeit zu kontrollieren und Schimmelschäden zu vermeiden, müssen Neubauten luftdicht sein. «Und was luftdicht ist, ist auch rauchdicht», erklärt Renfer.

Im Eigenheim ist bezüglich Materialien fast alles möglich. Wer auf der sicheren Seite sein will, engagiert einerseits Profis für Planung und Ausführung und kümmert sich andererseits um die Brandverhütung. Dort ist am meisten für den Brandschutz herauszuholen.

Keine Funken, kein Brand

Feuer braucht drei Zutaten: Sauerstoff, Brennstoff und eine Zündquelle. Sauerstoff ist praktisch überall gegeben und als Brennstoff kommen nicht nur Wände oder Balken in Frage, sondern auch Möbel, Vorhänge, Kleider und der vertrocknete Weihnachtsbaum in der Ecke. Entscheidend ist letztlich, den dritten Faktor, den Brandauslöser, im Blick zu haben. Brände in Wohngebäuden haben zwei Hauptauslöser: Elektrogeräte und offene Flammen. Bei den Geräten sind insbesondere billige Akkus ein Problem. Wer sein Handy über Nacht auf dem Sofa lädt oder das Tablet im Standby auf dem Papierstapel liegen lässt, geht ein Risiko ein. Offene Flammen wie Kerzen, Cheminées oder ein Rechaud sind die zweite grosse Gruppe von Brandauslösern. Gibt es keinen Auslöser, brennt es nicht.

Die Feuerwehr mag Holz

Philipp Lutz, Holzbauexperte und Brandschutzfachmann beim Holzbauunternehmen Timbatec AG, hat es schon oft gehört: «Wenn Leute ‹Holz› hören, denken sie an Feuer. Aber wir können die Brandschutznormen heute problemlos einhalten.» Holz brennt zwar, aber man weiss genau, wie es brennt. Und während Eisen oder Stahlbeton unter Hitze unberechenbar werden, verliert Holz seine Festigkeit nicht. «Holz bildet eine Kohleschicht und schützt den Querschnitt des Balkens», erklärt Lutz. Das ist auch der Grund, warum Feuerwehrleute lieber in Holzgebäude einsteigen als in Beton- oder Metallbauten: Es ist berechenbarer. Grenzen gibt es dennoch: Fluchtwege und Liftschächte dürfen nicht aus brennbaren Materialien gebaut sein. Das Einkapseln ist auch hier oft die Lösung der Wahl. Unter einer feuersicheren Gipsschicht ist eine Holzkonstruktion gut geschützt.

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