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Ob eine immer­grüne Blät­ter­wand oder herbst­lich gefärb­tes Laub, duf­tende Blü­ten oder Obst und Bee­ren zum Ern­ten, eine begrünte Fas­sade sieht gut aus, ist ganz schön nütz­lich und lässt sich leicht sel­ber rea­li­sie­ren.

Selbst die schä­bigste Hütte ent­wi­ckelt ein­drucks­voll roman­ti­sches Flair, wenn sie unter dem herbst­lich gefärb­ten Laub eines Wil­den Wei­nes oder dem Immer­grün eines Efeu­pols­ters ver­schwin­det. Begrünte Fas­sa­den haben eine lange Tra­di­tion. Bereits die Römer schmück­ten ihre Vil­len mit far­big blü­hen­den Klet­ter­pflan­zen. Im Mit­tel­al­ter wur­den Lau­ben­gänge und Mau­ern in Klos­ter- und Burg­an­la­gen mit Reben und Rosen über­spannt. Wäh­rend der Renais­sance und des Barocks wur­den die Wände von Schlös­sern und ande­ren reprä­sen­ta­ti­ven Bau­ten begrünt. Auch die Archi­tek­tur der Moderne greift auf Klet­ter­pflan­zen als Kon­trast zur kla­ren, orna­ment­lo­sen For­men­spra­che zurück.

Natür­li­che Kli­ma­an­lage

Begrünte Fas­sa­den sehen nicht nur gut aus, sie sind auch ganz schön nütz­lich. So kann eine dichte Blät­ter­wand, die gut gepflegt wird, die Lebens­dauer der Fas­sade ver­län­gern. Bei Regen hal­ten die Pflan­zen die Mauer tro­cken, und bei Son­nen­schein schüt­zen sie vor den schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen der UV-Strah­len. Zudem wir­ken grüne Fas­sa­den als natür­li­che Kli­ma­an­la­gen. Michael Graf, Archi­tekt und Fach­be­ra­ter beim Hausverein Schweiz, sagt : « Bei alten Fas­sa­den haben Pflan­zen nach­weis­lich einen däm­men­den Effekt. Som­mer­grüne Pflan­zen ver­hin­dern, dass die Sonne an die Fas­sade brennt und das Haus auf­wärmt. Im Win­ter, wenn die­ser Effekt erwünscht ist, sind die Blät­ter weg. » Bei immer­grü­nen Gewäch­sen bil­det sich zwi­schen Gebäu­de­wand und Blät­tern ein iso­lie­ren­des Luft­pols­ter, das im Win­ter die Wärme im Haus hält. Schliess­lich ver­rin­gern die Pflan­zen die Ver­näs­sung rund um das Fun­da­ment des Hau­ses, indem sie dem Boden Was­ser ent­zie­hen.

Grün statt grau

Ins­be­son­dere in Städ­ten erfül­len begrünte Fas­sa­den eine wich­tige Funk­tion. Sie brin­gen Farbe in die Stras­sen und Hin­ter­höfe und tra­gen zu einem bes­se­ren Klima bei : Die Pflan­zen fil­tern Staub­par­ti­kel aus der Luft, erhö­hen durch Ver­duns­tung von Was­ser die Luft­feuch­tig­keit und ver­hin­dern gleich­zei­tig, dass die Tem­pe­ra­tur zu hoch wird. « Nach einem Regen wirkt die Blät­ter­wand wie ein duf­ten­des, feuch­tes Tuch, das an der Fas­sade hängt » , sagt Michael Graf. Auch gegen Lärm hilft das ver­ti­kale Grün : Die Pflan­zen schlu­cken Schall und min­dern Refle­xio­nen in Häu­ser­schluch­ten. Und natür­lich sind begrünte Fas­sa­den auch öko­lo­gisch wert­voll : Sie bie­ten Nis­torte und Nah­rungs­quel­len für Insek­ten und Vögel.

Sel­ber pflan­zen

Eine grüne Fas­sade lässt sich leicht sel­ber rea­li­sie­ren. Die Pflan­zen kön­nen ent­we­der direkt in den Boden gesetzt oder in einem Topf gezo­gen wer­den. Je nach Art rankt sich das Gewächs von dort aus allein oder an Klet­ter­hil­fen nach oben. Bekann­tes­ter soge­nann­ter Selbst­klim­mer ist der Efeu ( Hedera helix ) . Aber auch Klet­ter­hor­ten­sie ( Hydran­gea ano­mala ) , Klet­ter­spin­del ( Euony­mus for­tunei radi­cans ) , Trom­pe­ten­blume ( Camp­sis radi­cans ) oder Wil­der Wein ( Par­the­no­cis­sus tri­cu­spi­data / quin­que­fo­lia ) , des­sen Blät­ter sich im Herbst leuch­tend rot ver­fär­ben, suchen sich ihren Weg selbst. Bei Selbst­klim­mern ist jedoch Vor­sicht gebo­ten : Sie haf­ten mit Haftschei­ben oder fei­nen Wur­zeln am Putz oder am Mau­er­werk und kön­nen an beschä­dig­ten oder mit Dünn­putz ver­se­he­nen Mau­ern Risse in der Fas­sade ver­ur­sa­chen. Wer Spu­ren an der Fas­sade ver­mei­den will, wählt Pflan­zen, die an einer Klet­ter­hilfe empor­wach­sen : zum Bei­spiel Hop­fen ( Hum­usus lupu­lus ) , Gly­zine ( Wis­te­ria sinen­sis ) , Ake­bie ( Ake­bia qui­nata ) , Pfei­fen­winde ( Aris­to­lo­chia macro­phylla ) , Wein­rebe ( Vitis vini­fera ) , Kiwi ( Acti­ni­dia chi­nen­sis ) oder ande­res Spa­lier­obst. Diese Pflan­zen ran­ken bei­spiels­weise ent­lang von gespann­ten Dräh­ten, Git­tern oder Holz­lat­ten, die je nach Pflanze recht robust sein soll­ten. Michael Graf sagt dazu : « Gly­zi­nen zum Bei­spiel ent­wi­ckeln über die Jahre eine beträcht­li­che Dicke und wie­gen meh­rere hun­dert Kilo, sodass sie eine schwa­che Auf­hän­ge­vor­rich­tung aus der Ver­stre­bung reis­sen kön­nen. » Damit die Pflan­zen nicht über Fens­ter, in Rit­zen oder unters Dach wach­sen, sollte man ab und zu einen Blick auf sie wer­fen und sie zurück­schnei­den.

Auf inva­sive Neo­phy­ten ver­zich­ten

Die meis­ten Pflan­zen sind öko­lo­gisch unbe­denk­lich. Unter den Klet­ter­pflan­zen gibt es aber einige nicht ein­hei­mi­sche Sor­ten, die sich stark aus­brei­ten und des­halb nicht gepflanzt wer­den soll­ten oder gar ver­bo­ten sind. Ins­be­son­dere nicht mehr ver­wen­det wer­den soll­ten das Immer­grüne Geiss­blatt ( Loni­cera hen­ryi ) , die Gewöhn­li­che Jung­fern­rebe ( Par­the­no­cis­sus inserta ) und der Schling­knö­te­rich ( Fallo­pia bald­schua­nica) . Hüb­sche Alter­na­ti­ven fin­den sich zuhauf.

Der Autor

Res Mett­ler

Aus «casanostra» 125

casanostra 125 - Juni 2014

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