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Jetzt ist Zeit fürs «neue» Licht

     

  Do., 09.10.2014

Leuchtdioden seien das « Licht der Zukunft », hiess es lange. Diese Zukunft ist jetzt angebrochen. Es ist an der Zeit, im Wohnbereich auf LED umzustellen. Weil LED Strom und Geld sparen. Und weil sie gutes Licht geben.

13 Uhr 30, es klingelt an der Tür. Der Stromdetektiv ist pünktlich. Gleich nach der Begrüssung kommt er zur Sache. Sein Werkzeug ist nicht die Lupe, nein, Hardy Schröder spürt überflüssige Stromfresser im Hause mit Hilfe seines scharfsinnigen Blicks und wenn nötig des Strommessgeräts auf. Beim Gespräch am Stubentisch nimmt der Gesandte des Elektrizitätswerks des Kantons Zürich nach einem Blick auf die Stromrechnung und einigen Fragen zur Haushaltsgrösse schon mal die ersten Fährten auf. « Gratuliere, Ihr Verbrauch liegt unter dem Durchschnitt » , verkündet der 43-Jährige mit einem anerkennenden Lächeln. Darauf folgt eine Kunstpause : « Aber es gibt eindeutig noch Raum für Verbesserungen. »

Sparsamer als Sparlampen

Aha. Ein beträchtliches Sparpotenzial steckt in der Beleuchtung. In einem Durchschnittshaushalt fliessen 17 Prozent des verbrauchten Stroms in die Lampen, meist viel zu viel. Seine reiche Erfahrung bringt den Stromdetektiv – bei anderen Elektrizitätswerken gibt es gegen eine geringe Gebühr einen vergleichbaren Service – rasch auf die richtige Spur. Schröder zeigt auf die Schreibtischleuchte : « Gegenüber Glühbirnen lassen sich locker 80 Prozent des Verbrauchs einsparen. » So viel, sagt er, schafften schon manche Sparlampen, und die LED seien nochmals ein gutes Stück genügsamer. Das bestätigt ein Blick auf die Zahlen der Schweizer Licht Gesellschaft SLG ( siehe Tabelle ) : Eine Sparlampe, die gleich viel Licht wie die 60-Watt-Glühbirne gibt, begnügt sich mit 20 Prozent des Stromverbrauchs. Und eine ebenso helle LED verbrennt nur knapp 16 Prozent des Stroms.

Doch wer mag schon LED-Licht. Ist das nicht viel zu kalt und schlecht für die Augen ? Es gebe Hinweise darauf, dass ein hoher Blauanteil den Augen nicht zuträglich sei, bestätigt Libero Zuppiroli, emeritierter Physikprofessor der ETH Lausanne. « In der Schweiz sind die LED schlechter Qualität zwar weitgehend aus den Läden verschwunden, dennoch rate ich sicherheitshalber dazu, auf LED mit mehr als 3000 Kelvin zu verzichten. » Für Giuseppina Togni ( Interview Seite 7 ) ist das Problem gelöst : « Die in der Schweiz erhältlichen LED sind geprüft und zugelassen » . Heutige LED bieten ein angenehmes Licht. Das findet seine Bestätigung in der Erfahrung von Togni, die in ihrer Wohnung 30 Halogen-Deckenspots à 50 Watt durch 10-Watt-LED ersetzte. Sie war gespannt auf die Reaktion der Familie, doch niemand habe den Wechsel der Lampen realisiert.

Wärme in Kelvin

Und nun holt der Detektiv seine Helferlein hervor : ein ganzes Sortiment von LED in unzähligen Formen und mit unterschiedlicher Leuchtkraft. Es sind alles sogenannte Retrofit-LED, die in herkömmliche Lampenfassungen passen. Die Leuchte auf dem Pult hat eine ganz gewöhnliche Schraubfassung, E 27 im Fachjargon. Dimmer ? Nein ! « Das machts einfacher » , sagt Schröder, denn nicht jede LED passe zu jedem Dimmer. Eine LED aus dem Musterkoffer gefischt, reingeschraubt, angeknipst. Tatsächlich, das Licht ist angenehm hell und freundlich. « 2700 Kelvin » , brummelt der EKZ-Mann. Wie bitte ?

Kelvin ist die Masseinheit für die Lichtfarbe. Je tiefer die Farbtemperatur in Kelvin, desto eher entspricht das Licht einem rötlichen, warmen Glühen. Kerzenlicht hat 1500 Kelvin, eine Glühbirne 2700 Kelvin, eine Halogenlampe 2900 Kelvin, Sonnenlicht 6500 Kelvin. Mit steigender Kelvin-Zahl wird das Licht zu einem zunehmend bläulichen, kalten Weiss. Im Wohnbereich sind Werte im Bereich von 2700 Kelvin oder 3000 Kelvin empfehlenswert.

Dabei ist es hilfreich, dass auf jeder LED-Lampenverpackung die Lichttemperatur in Kelvin angegeben sein muss. Denn andere Bezeichnungen wie beispielsweise « warmweiss » oder « neutralweiss » sind zu ungenau und bedeuten je nach Hersteller etwas anderes. Es empfehlen sich LED mit festen Kelvin- Werten, denn in Schachteln mit dem Aufdruck « ca. 2700 bis 3500 Kelvin » stecken meist minderwertige, qualitativ nicht sortierte LED. Gute LED-Chips haben eine hohe Lichtausbeute ( in Lumen pro Watt ) , eine warme Farbtemperatur und geringe Toleranzen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Qualität der Farbwiedergabe, die mit dem Ra-Wert angegeben wird. Unabhängig von der Lichtfarbe gibt sie an, wie gut die Farben von angeleuchteten Gegenständen im Vergleich zu Tageslicht wiedergegeben werden. Ra-Werte ab 80 sind in Wohnbereichen brauchbar, besser ist ein Wert von 90 und mehr. Tageslicht oder Glühbirnen kommen auf 100 Ra.

Weniger Geld, mehr Atmosphäre

Ziemlich kompliziert, Herr Schröder ! « Keine Sorge » , beruhigt der, es klinge viel verwirrlicher, als es tatsächlich sei. Zudem habe das Auge jedes Menschen gewisse eigene Vorlieben. Ausprobieren, lautet deshalb sein Rezept : Man besorgt sich leihweise LED zum Testen und sieht rasch, mit welcher man zufrieden ist. In einem aber müsse man tatsächlich umlernen : « Die Watt-Angabe, wie man sie von der Glühbirne her kennt, ist echt von gestern. » Heute muss man sich an der Lumenzahl orientieren ( siehe Tabelle ) .

Dass sich der Einsatz einer LED finanziell lohnt, zeigt folgendes Beispiel : Eine 60-Watt-Glühbirne, die pro Jahr 1000 Stunden brennt – ein Durchschnittswert im Haushalt –, wird durch eine LED mit 12 Watt ersetzt. Die Glühbirne verbraucht jährlich Strom für 12 Franken, die LED für Fr. 2.40. Nach drei Jahren ist der Anschaffungspreis von 30 Franken für die LED amortisiert. Doch die LED hält 25 Jahre, die Glühbirne muss nach etwa 1000 Stunden ersetzt werden. Mit der LED spart man über die ganze Lebensdauer gerechnet 235 Franken.

Doch LED können noch viel mehr. Wer sie nicht bloss als Retrofit-Lampe einsetzt, sondern speziell konstruierte LED-Leuchten nimmt, stösst auf völlig neue Einsatzmöglichkeiten, wie Hausverein-Wohnberaterin Marie-Louise Grand aus Thun festhält : « LED sind auch als dünne Leuchtbänder erhältlich, in der Küche zum Beispiel ist das ein sehr praktisches Unterschranklicht, das wenig Platz in Anspruch nimmt. » Und mit steuerbaren LED, sagt sie, liessen sich verschiedene Lichtstimmungen erzeugen, je nachdem, wie man den Raum gerade nutzt : ein helles Licht zum Zeitunglesen, ein gedimmtes Hintergrundlicht zum Fernsehschauen und eine gemütliche Stimmung, wenn man zusammensitzt, plaudert und ein Glas Wein trinkt. Tatsächlich : Die Zukunft ist angebrochen.

Thomas Müller

Aus «casanostra» 127

casanostra 127 - Oktober 2014

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