Die Modernisierung älterer Ein- und Mehrfamilienhäuser war lange keine einfache Aufgabe. Minergie hat dies erkannt und reagiert. Mit einer neuen massgeschneiderten Lösung wird die Energiewende grossflächig eingeläutet.
Eine gut geplante Gebäudeerneuerung lohnt sich. Dabei gilt es unterschiedlichste Bedürfnisse an den Komfort, den Energiebedarf oder den Ausbau unter einen Hut zu bringen. Die gesetzlichen Anforderungen sind komplex und die Motivation zur Kostenoptimierung lässt viele Bauherrschaften die Vorteile von Minergie vergessen. Schade, denn eine Modernisierung nach Minergie-Systemerneuerung kann den Energieverbrauch eines Gebäudes um rund zwei Drittel reduzieren.
Minergie hat für Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser, welche vor dem Jahr 2000 erstellt wurden, einen neuen und einfacheren Zertifizierungsweg erarbeitet und ermöglicht mit dem neuen Zertifizierungsweg Systemerneuerung individuell passende Lösungen. Das Resultat ist dasselbe wie bei einem Minergie-Neubau: Der Erhalt eines Minergie-Zertifikates.

Modernisieren in Etappen
Die Anforderungen der Systemerneuerung sind einfach, klar und übersichtlich aufgebaut. Die fünf Systeme mit ihren vorgegebenen Kombinationsmöglichkeiten sind alle so konzipiert, dass in der Bilanz der gewichtete Endenergiebedarf unter 60 kWh/m2 liegt und somit das Energiegesetz eingehalten wird. Die Bauherrschaft wird von der aufwendigen Energiebedarfsberechnung befreit und kann die Erneuerungsmassnahmen auf ihren individuellen Gebäudebestand anpassen.
Dank den Mindestanforderungen kann in der ersten Projektierung bereits abgeschätzt werden, welche Massnahmen für den Erhalt eines Minergie-Zertifikats notwendig sind. Mit der Beantragung des Zertifikats in der Phase der Baubewilligung beginnt die Fünfjahresfrist, in welcher die Massnahmen schrittweise umgesetzt werden können.

Jedes System kombiniert Massnahmen an der Gebäudehülle, der Wärmeerzeugung und der steuerbaren Lufterneuerung. Durch diese Kombination können unterschiedliche Mindestanforderungen gestellt werden. Wer eine effiziente und nachhaltige Wärmeerzeugung wählt, profitiert beispielsweise von tieferen Anforderungen an die Aussenwand. Dies kommt insbesondere Objekten zugute, deren architektonische Gestaltung beibehalten werden soll.
Erfahrungen aus der Pilotphase
Die Bauherren und Planer, welche in der Pilotphase 2017 teilgenommen und den neuen Zertifizierungsweg Systemerneuerung gewählt haben, sind begeistert. Die Möglichkeit einer etappenweisen Erneuerung ist ein offensichtliches Bedürfnis. Geschätzt wurden auch der einfachere Weg und der geringere Aufwand im Zertifizierungsprozess. Die Systeme sind flexibel und bieten Spielraum für das sich entwickelnde Projekt. Und es ist von Beginn an absehbar, ob das Minergie-Zertifikat erreicht werden kann. Die Anforderung an die steuerbare Lufterneuerung beinhaltet dabei nicht nur die bekannte kontrollierte Wohnraumlüftung, sondern auch von Minergie anerkannte alternative Abluftsysteme. So kamen bei den Pilotprojekten mehrfach Einzelraumlüftungen zum Einsatz.
Heike Zeifang
aardeplan Architekten, Baar
Tanja Rösner
aardeplan Architekten, Baar
Aus «casanostra» 143


