Das Zuger Paar R. B. und H. S.* hat mehrere Wohnungswechsel hinter sich. Letzten Herbst liess es in einer kleinen Zuger Gemeinde ein Haus so umbauen, dass es gegen hochfrequente Strahlenquellen (sog. Elektrosmog) geschützt ist. Die Fassade wird mit feinstmaschigem, doppellagigem Kupfergitter gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmt, die über Erdungsdrähte abgeführt wird. So sind die Bewohner auch vor dem E-Smog der DECT-Telefonapparate im Nachbarhaus abgeschirmt
Die Fenster des neuen Heims wurden zusätzlich mit einer Spezialfolie beklebt. Die Fenster-Holzrahmen und die Aussentüren erhielten eine Spezialfarbe (Silberpartikel) gegen E-Smog. «Diesmal wollten wir wirklich sicher gehen, dass wir ein Haus bauen, in dem wir uns regenerieren können.» Hausintern wurden die Elektroinstallationen und elektrischen Geräte so installiert, dass ein Minimum an störenden Strahlungen anfällt.
Für die Massnahmen hat das Paar Mehrkosten von rund 8 Prozent der Umbausumme in Kauf genommen. Das sportliche Paar ist im besten Alter, um die 40 Jahre. Beide bekleiden Managerposten, stehen mit beiden Füssen auf dem Boden. «Wir hätten nie geglaubt, dass uns der Elektro-Smog eines Tages Probleme bereiten würde.» Sie sind keineswegs Handygegner, sondern beruflich darauf angewiesen.
Aus heiterem Himmel?
Begonnen hatte es in ihrer früheren Mietwohnung in Baar. «Wir bekamen von einem Tag auf den anderen starke Schlafstörungen und wussten nicht, was los ist.» Sie liessen durch einen Fachmann die Umgebung auf hochfrequente Strahlenquellen messen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass in 50 Meter Entfernung eine Mobilfunkantenne in einem Einfamilienhaus versteckt war. Das Paar zog sofort aus – und kam vom Regen in die Traufe: Auch die neue Wohnung im Nachbarort war E-Smog-belastet. Nun hatten die beiden genug: Bis zum Einzug ins neue Haus Ende 2007 logierte das Paar in einem Hotel ohne DECT-Telefonie oder WLAN. Die beiden sind geschäftlich oft unterwegs, dann fehlt das Schutznetz zur Abschirmung vor elektromagnetischen Feldern nie, das über dem Bett aufgespannt wird. «Früher wunderten wir uns, dass wir auf Reisen so schlecht schlafen – heute wissen wir es.»
Kombination von Umweltfaktoren
«Elektrosensibilität», so sagt Baubiologe Guido Huwiler, «stellt sich nicht von einem Tag auf den anderen ein.» E-Smog reize die Nervenbahnen, bis eines Tages der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringe und der Körper reagiere. Die «Inkubationszeit» könne sich über mehrere Jahre erstrecken. Bei dem Paar in Cham dauerte dies zum Beispiel rund fünf Jahre. «Oft ist die Reaktion des Körpers eine Kombination von verschiedenen Umweltfaktoren: Zum E-Smog durch WLAN (Computer-Funkverbindungen), Mobilfunkantennen und DECT-Telefone könnten sich auch Wohngifte hinzugesellen. Im Fall des Zuger Paares war es zum Beispiel die Ausdünstung des geölten Eichenparketts in einer der Mietwohnungen.
*Namen der Redaktion bekannt

