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Mit der laufenden Vernehmlassung zur Revision der Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (VISOS) zeigt sich: Der Druck, Ortsbildschutz, Klimaziele und Innenentwicklung besser aufeinander abzustimmen, trägt Früchte. Zentrale Anliegen von Casafair finden sich in der Vorlage wieder – ein wichtiger Schritt hin zu einer praxistauglichen Lösung, den wir ausdrücklich begrüssen und im Rahmen der Vernehmlassung unterstützen.

Casafair hat stets betont: Nicht das ISOS als Instrument ist das Problem, sondern seine teilweise zu weitgehende und wenig differenzierte Anwendung. Das Inventar soll weiterhin die Qualität unserer Ortsbilder sichern und als Grundlage für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung dienen. Gleichzeitig darf es nicht zu einem Hindernis für den Wohnungsbau werden. Genau hier setzt die Revision an.

Direktanwendung nur beim Erscheinungsbild

Ein Schritt voran ist die Einschränkung der sogenannten Direktanwendung. Künftig soll das ISOS nur noch dann greifen, wenn ein Vorhaben tatsächlich die äussere Erscheinung eines Ortsbildes betrifft. Projekte ohne direkten Ortsbildbezug – etwa technische Anpassungen oder Massnahmen im Innern von Gebäuden – sollen nicht mehr automatisch aufwendig geprüft werden. Damit wird eine Kernforderung von Casafair aufgenommen: Schutz dort, wo er nötig ist, und Entlastung dort, wo kein relevanter Bezug besteht.

Zielkonflikt von Energieproduktion und Ortsbildschutz entschärft

Der Bau von Solaranlagen wird vereinfacht. Neubauten unterliegen mit der Revision nicht mehr automatisch dem strengsten Regime. Damit wird ein zentraler Zielkonflikt entschärft: Klimaschutz und Ortsbildschutz werden besser aufeinander abgestimmt. Gerade mit Blick auf die dringend notwendige Transformation des Gebäudebestands ist dies ein wichtiger Schritt.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Stärkung der kantonalen und kommunalen Handlungsspielräume. Die Vorlage stellt klar, dass im Rahmen einer sorgfältigen Interessenabwägung von den ISOS-Erhaltungszielen abgewichen werden kann. Diese Flexibilität ist entscheidend, um Innenentwicklung zu ermöglichen und dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig erhöht eine klarere Struktur der Interessenabwägung die Transparenz und die Rechtssicherheit.

Ebenfalls zu begrüssen ist die Präzisierung der Erhaltungsziele. Klarere Begriffe und eine bessere Systematik helfen, frühzeitig zu erkennen, was geschützt ist und wo Spielräume bestehen. Dies erleichtert die Planung und reduziert Konflikte in späteren Verfahrensphasen.

Verdichtung nur mit Qualität

Für Casafair ist dabei zentral, dass Bauprojekte im Siedlungsraum immer auch im Zusammenhang mit den Freiräumen gedacht werden. Diese sind Lebensraum für die Bevölkerung, tragen zur Biodiversität bei, helfen Hitzeinseln zu vermeiden und sichern die Versickerungsfähigkeit des Bodens. Eine integrierte Entwicklung von Bebauung und Freiraum erhöht die Lebensqualität und die Akzeptanz von Verdichtung in der Bevölkerung.

Zentrale Anliegen erfüllt

Die Revision nimmt damit zentrale Anliegen von Casafair auf: eine differenzierte Anwendung des ISOS, bessere Vereinbarkeit mit Klimazielen und mehr Handlungsspielraum für die Innenentwicklung. Sie ist ein wichtiger Schritt, um die Verfahren zu vereinfachen, ohne die baukulturelle Qualität zu gefährden.

Entscheidend wird nun die Umsetzung sein. Die neuen Regelungen müssen konsequent so angewendet werden, dass sie tatsächlich zu schnelleren Verfahren, mehr Wohnraum und einer klimafreundlichen Weiterentwicklung des Gebäudebestands führen.

Die Vernehmlassung bietet die Chance, diesen Weg zu bestätigen und weiter zu schärfen. Casafair begrüsst die Vorlage und setzt sich dafür ein, dass sie im Sinne einer nachhaltigen, sozialen und qualitätsvollen Siedlungsentwicklung konsequent umgesetzt wird.

 

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