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three generation family on balcony

Weiterbauen und Synergien nutzen

           

  Do., 17.04.2014

Wer im Alter im eigenen Haus wohnen bleiben möchte, tut gut daran, rechtzeitig Abklärungen zu treffen. Soll gar die nächste Generation einen Hausteil übernehmen, gilt es zu überlegen, wie man am besten zusammenwohnt und welche baulichen Massnahmen anstehen.

«In den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben, ist der Wunsch der meisten älteren Leute» , sagt Markus Schuler, Architekt und Präsident Hausverein Zentralschweiz. Er organisiert in Zusammenarbeit mit Pro Senectute Kanton Luzern regelmässig Veranstaltungen und weiss, wovon er spricht. Neben der emotionalen Bindung und tiefen Wohnkosten sind, so Schuler, vor allem die Verbundenheit mit der Nachbarschaft und das Gefühl von Freiheit und Individualität ausschlaggebend für diesen Wunsch. Die Kehrseite der Medaille kann jedoch sein, dass der Unterhalt des Hauses die eigenen Kräfte immer mehr übersteigt. Dass Einkaufsmöglichkeiten wegen eines eingeschränkten Bewegungsradius plötzlich zu weit weg sind. Oder dass die Bewohner sich zunehmend isoliert fühlen.

Potenzial ausloten

Neben baulichen Anpassungen, die das eigene Haus « fit fürs Alter machen » sollen, plädiert Schuler denn auch dafür, das Potenzial der Liegenschaft auszuloten. Gibt es eine Möglichkeit, anzubauen oder weiterzubauen ? Platz zu schaffen für die eigenen Kinder mit Nachwuchs ? Oder für eine andere Familie, die gerne in einem Haus mit Garten wohnen würde, sich aber kein eigenes leisten kann ? « Wichtig » , so Schuler, « ist es, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. » Einer seits sollte ein solcher Entscheid fallen, bevor sich die nächste Generation niedergelassen hat und die Grosskinder eingeschult sind. Andererseits gilt es zu bedenken, dass ein Umbau schnell mal ein, zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Die Idee eines Mehrgenerationenhauses hatten auch Cornelius Meyer und seine Frau Christianne schon seit einiger Zeit im Hinterkopf. Das Grundstück in einem Quartier der luzernischen Gemeinde Neuenkirch hatten sie Ende der 1970 er-Jahre günstig kaufen können. 1980 bezog die sechsköpfige Familie ihr neues Haus am Rand der Bauzone. « Natürlich haben wir damals noch nicht an später gedacht » , meint Cornelius Meyer. Er, der heute noch als Immobilienentwickler tätig ist, sagt das halb tadelnd, halb scherzend. In den vergangenen zehn Jahren wuchs in ihm aber der Wunsch, das Grundstück zu verdichten und für die nächste Generation Wohnraum zu schaffen.

Von den vier Kindern kam vor allem Sohn Dominik, der erste mit Nachwuchs, als Mitbewohner in Frage. Doch Dominik und seine Frau Fiona, die mit zwei Kindern im nahen Luzern wohnten, winkten ab. Sie seien ausgesprochene Stadtmenschen. « Die Idee war bei Dominik noch nicht spruchreif » , sagt Vater Meyer rückblickend. Als er und seine Frau die 60 überschritten, zogen sie deshalb auch in Erwägung, in eine Wohnung nach Luzern zu ziehen und das Haus zu verkaufen oder zu vermieten.

Zusammenleben bedingt Kompromisse

Doch so weit sollte es letztlich nicht kommen. Als sich bei Sohn Dominik das dritte Kind anmeldete und die Astra nachts direkt unter seiner Parterrewohnung im Reussporttunnel zu bohren begann, kam Bewegung in die Diskussion. Kurze Zeit später zog die junge Familie kurzfristig in das Haus der Eltern ein, die temporär nach Luzern übersiedelten. Derweil nahm im Norden des Grundstücks allmählich ein Neubau Gestalt an. Bereits im Herbst 2012 konnten Christianne und Cornelius Meyer ihr « Stöckli » beziehen.

Heute freuen sich alle Beteiligten über das Nebeneinander- und Miteinanderwohnen. « Natürlich braucht es Kompromisse » , so Cornelius Meyer, « wie immer im Leben. Es gibt Punkte, die man besprechen muss. Doch wir profitieren so viel von den Jungen, dass wir auch viel geben können. » Einen Tag pro Woche hütet seine Frau den kleinen Beda, kocht für alle und unterstützt Jaël und Timo bei den Hausaufgaben. Auch sonst sind die Grosseltern gerne bereit, stundenweise die Betreuung zu übernehmen.

Wichtig war den Grosseltern, im Aussenraum ihr eigenes ruhiges Plätzchen zu haben. Das haben sie zum einen in einer Loggia im Obergeschoss des Neubaus, « das Refugium der Grossmutter » , wie es Meyer lachend nennt. Zum andern dient ein Stauregal im Garten auch zur visuellen Abtrennung der beiden Aussensitzplätze. Gegen Süden hin ist der Garten jedoch offen und wird an der Grundstücksgrenze von einem kleinen Bächlein abgeschlossen. Den Teich, den Christianne und Cornelius 1980 angelegt hatten, liess der Sohn mit Erde auffüllen zugunsten einer grösseren Spielwiese. « Meine Frau trauert dem kleinen Biotop immer noch nach » , erzählt Meyer. Als kleine Entschädigung bauten sie auf ihrem Sitzplatz einen Brunnen. Weiterbauen heisst also auch, dass man kompromissfähig sein muss und bereit für Neues.

Schwellenlos und multifunktional

Der Neubau folgt im Wesentlichen einem 4-Zimmer-Programm. Im Erdgeschoss befinden sich der Ess-Wohnraum und Meyers Büro, das später auch zu einem Schlafzimmer umfunktioniert werden könnte. Das Obergeschoss beherbergt ein Gästezimmer mit Bibliothek sowie das Schlafzimmer der Meyers. Alle Übergänge, auch jene in den Aussenraum, sind schwellenlos konstruiert. Der gerade Verlauf der Treppe ins Obergeschoss ermöglicht den allfälligen Einbau eines Treppenlifts. Statt eines Kellers befinden sich auf beiden Geschossen je eine Abstellkammer und viele Einbauschränke.

Im Norden steht der orthogonale Bau direkt auf der Grundstücksgrenze. Die Nachbarn, mit denen die Meyers seit Jahrzehnten ein gutes Einvernehmen haben, räumten ihnen ein spezielles Grenzbaurecht ein. Im Gegenzug verzichtete man auf der Nordseite auf Fenster. Ein Oblicht versorgt die Mitte des Hauses – speziell das Badezimmer und das Treppenhaus – via Lichtschacht mit Tageslicht. Im Süden « lehnt sich » das neue Gebäude an den Altbau, der sich dafür sein Dach zurechtstutzen lassen musste. Zwischen Neu- und Altbau entsteht so eine gedeckte Passage, die zum Hauseingang und zum Garten führt.

Sohn Dominik und Fiona wohnen zur Miete in Neuenkirch, die beiden Häuser gehören immer noch Christianne und Cornelius Meyer. Die Erbmasse bleibt auch beisammen, wenn einer der beiden ablebt. Erst wenn beide Eltern nicht mehr da sind, wird das Erbe verteilt. So hält es ein Erbvertrag fest. Die nachmalige Verteilung an die vier Nachkommen haben die Meyers in der Grossfamilie besprochen und anschliessend testamentarisch festgehalten.

Marion Elmer

Marion Elmer

Aus «casanostra» 124

casanostra 124 - April 2014

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