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Jetzt ist Hoch­sai­son für Langfinger

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Do, 22.11.2018

Die Zahl der Ein­brü­che nimmt zwar in der Schweiz lau­fend ab, den­noch: das Bun­des­amt für Sta­tis­tik berich­tete im ver­gan­ge­nen Jahr von 19 410 Ein­brü­chen in Ein- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser. 53-mal wird also täg­lich irgendwo in der Schweiz ein Ein­bruch in einen Pri­vat­haus­halt verübt.

Gerade jetzt im Herbst und Win­ter ist Ein­bruchs­sai­son. Die Ver­si­che­run­gen spre­chen nach der Umstel­lung auf Win­ter­zeit von einer Zunahme der Scha­dens­fälle von 20 Pro­zent. Vor allem der frü­hen Däm­me­rung wegen. Denn: Wäh­rend in Geschäfts­häu­ser vor allem nachts ein­ge­bro­chen wird, suchen Lang­fin­ger Pri­vat­woh­nun­gen mit Vor­zug tags­über und am frü­hen Abend heim. Meist wird beim Ein­dun­keln ein­ge­bro­chen, bevor die Bewoh­ner von der Arbeit nach Hause kommen.

Offen­sicht­li­che Ein­la­dun­gen beheben

Die Poli­zei­korps und die Fach­stelle Kri­mi­nal­prä­ven­tion emp­feh­len eine ganze Palette von Mass­nah­men; es gelte jedoch, die Ver­hält­nis­mäs­sig­keit zu wah­ren. Ganz ohne finan­zi­el­len Auf­wand las­sen sich aber bereits erste Mass­nah­men treffen:

  • Kipp­fens­ter: Ohne Gewalt­an­wen­dung, allen­falls mit einem Quänt­chen Geschick las­sen sich gekippte Fens­ter öff­nen. Gekippte Fens­ter gel­ten auch ver­si­che­rungs­tech­nisch als offene Fens­ter, was unter Umstän­den eine Reduk­tion bei der Scha­dens­re­gu­lie­rung zur Folge haben kann. Die Poli­zei emp­fiehlt über­dies, Kipp­fens­ter bei Abwe­sen­heit auch im ers­ten Stock geschlos­sen zu halten.
  • Schlüs­sel­de­pot: Auch Ein­bre­cher ken­nen die gän­gi­gen Plat­zie­run­gen von Schlüs­seln und suchen auch mal in Brief­käs­ten, unter Fuss­mat­ten oder in Blu­men­töp­fen nach ver­steck­ten Schlüs­seln. Auch die als künst­li­cher Stein getarn­ten Schlüs­sel­de­pots sind – je nach Modell – sehr offen­sicht­lich als sol­che zu erkennen.
  • Brief­kas­ten: Ein über­füll­ter Brief­kas­ten ist ein deut­li­ches Signal, dass nie­mand zu Hause ist. Die Poli­zei emp­fiehlt, bei der Post eine Lie­fer­un­ter­bre­chung auf­zu­ge­ben oder Nach­barn zu bit­ten, den Brief­kas­ten regel­mäs­sig zu leeren.

Ohne­hin rät die Schwei­ze­ri­sche Kri­mi­nal­prä­ven­tion, die gut­nach­bar­schaft­li­chen Ver­hält­nisse zu pfle­gen. Auf­fäl­lig­kei­ten im Quar­tier könn­ten so bei­zei­ten ent­deckt werden.

Mehr Sicher­heit kos­tet Geld

Sicher­heits­ex­per­ten erwäh­nen über­dies Mass­nah­men, wel­che je nach Bedarf ins Geld gehen kön­nen. Minime Kos­ten fal­len etwa an bei Ver­wen­dung von bil­li­gen Zeit­schalt­uh­ren, wel­che Prä­senz im Haus simu­lie­ren kön­nen. Die Licht­show sollte jedoch nicht zu regel­mäs­sig sein, damit eine Abwe­sen­heit nicht durch­schaut werde. Eine wei­tere, eher güns­tige Mass­nahme ist die Siche­rung von Licht­schacht­git­tern mit einer mas­si­ven Verschraubung.

Teu­rer wird es, wenn etwa eine Video­über­wa­chung oder eine Alarm­an­lage instal­liert oder ein Tre­sor beschafft wer­den soll. Bei letz­te­ren emp­fiehlt die Schwei­ze­ri­sche Kri­mi­nal­prä­ven­tion übri­gens Modelle mit Zah­len­schloss. Bei Schlüs­sel­tre­so­ren wür­den Ein­bre­cher häu­fig nach dem Schlüs­sel suchen, die Woh­nung so durch­ein­an­der­brin­gen und den gesuch­ten Schlüs­sel nicht sel­ten gar finden.

Eben­falls ins Geld geht die ver­bes­serte Siche­rung von Türen und Fens­tern. Dabei ist es auch bei alten Türen mög­lich, diese mit Zusatz­schlös­sern nach­zu­rüs­ten. Hin­sicht­lich Fens­ter emp­fiehlt die Schwei­ze­ri­sche Kri­mi­nal­prä­ven­tion abschliess­bare Fens­tergriffe und ver­schweisste Git­ter, die sich nicht ver­bie­gen lassen.

Die Kehr­seite der Medaille

Diese Lösun­gen sind zwar zwei­fels­frei wirk­sam – einige haben aber auch unge­wollte Neben­ef­fekte: Ein ver­git­ter­tes Fens­ter hält Lang­fin­ger durch­aus ab, ist aber auch kein mög­li­cher Flucht­weg mehr, wenn es brennt. Alarm­an­la­gen holen frei­lich rasch Hilfe – Fehl­alarme wer­den aber teuer ver­rech­net. Auch grelle Lam­pen mit Bewe­gungs­mel­dern ver­scheu­chen Diebe, illu­mi­nie­ren aber noch viel häu­fi­ger Igel auf der Pirsch, streu­nende Kat­zen und wogende Bäume und Sträu­cher in stür­mi­schen Näch­ten. All dies hat einen gewis­sen Nerv-Fak­tor und eine Güter­ab­wä­gung ist ratsam.

Auch Video­über­wa­chun­gen zei­gen nur das, was Betrof­fene bereits auf ande­rem Weg erfah­ren haben: dass ein­ge­bro­chen wurde. Beson­ders witz­los – weil sie nicht ein­mal das schaf­fen – sind da Kamera-Attrap­pen. Fach­leute raten ent­spre­chend davon ab.

Für die Video­über­wa­chung gel­ten zudem recht rigide Vor­schrif­ten, wel­che die Per­sön­lich­keits­rechte schüt­zen sol­len. Des Nach­bars Gar­ten oder das Trot­toir und die Strasse dür­fen nicht erfasst wer­den. Und wer seine Ter­rasse oder das Wohn­zim­mer über­wacht, muss Gäste infor­mie­ren, dass das Gesche­hen auf­ge­zeich­net wird. Diese Infor­ma­ti­ons­pflicht gilt ebenso gegen­über Hand­wer­kern, dem Baby­sit­ter und der Putzfrau.

Bera­tung lohnt sich

Die Poli­zei­korps beschäf­ti­gen Sicher­heits­fach­leute, wel­che für Bera­tun­gen vor Ort zuge­zo­gen wer­den kön­nen – da und dort sogar kos­ten­los. Wer Rat bei pri­va­ten Anbie­tern sucht, sollte sich der wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der jewei­li­gen Firma bewusst sein. Um sich nicht letzt­lich mit einer über­trie­be­nen Lösung im eige­nen «Fort Knox» wie­der­zu­fin­den, sind Ver­gleich­s­of­fer­ten ratsam.

Der Autor

Andreas Käsermann

Andreas Käser­mann
Jour­na­list

Aus «casanostra» 148

Was tun, wenn trotz­dem ein­ge­bro­chen wurde

Zunächst gilt es, trotz aller Auf­re­gung einen küh­len Kopf zu bewah­ren und die Poli­zei (Tel. 117) zu rufen. Den Tat­ort auf­zu­räu­men, wäre falsch und würde Spu­ren und Hin­weise zer­stö­ren. Im Bei­sein der Poli­zei kann fest­ge­stellt wer­den, was gestoh­len wurde. Eine Liste der wich­tigs­ten Wert­sa­chen – allen­falls auch Fotos – kön­nen bei der Fahn­dung helfen.

Bro­schü­ren zum Thema

Die Schwei­ze­ri­sche Kri­mi­nal­prä­ven­tion hat in Zusam­men­ar­beit mit den Poli­zei­korps zwei infor­ma­tive Bro­schü­ren zum Thema erar­bei­tet. Diese Publi­ka­tio­nenm kön­nen Sie kos­ten­los herunterladen:

Bro­schüre «Rie­gel vor!»

Bro­schüre «Ein­bruch – was nun?»

Wei­tere Bro­schü­ren zu ande­ren Sicher­heits­be­rei­chen fin­den Sie hier.

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