Weniger Rasenmähen, Sträucher pflanzen und Regenwasser sammeln: Einfache Massnahmen senken die Temperatur, sparen Trinkwasser und helfen Insekten.
Das Konzept der Schwammstadt ist in den letzten Jahren in vielen Städten und Gemeinden angekommen. Sie haben erkannt, dass der viele Asphalt im Sommer zu unerträglicher Hitze führt. Deshalb werden nun vermehrt Bäume und Sträucher gepflanzt, versiegelte Flächen aufgerissen, Sickersteine für Wege und Parkplätze verwendet sowie Regen- und Brunnenwasser für die Bewässerung von Parks gesammelt. Doch auch Privatgärten können zu wasseraufsaugenden Schwämmen werden, die an Hitzetagen für ein angenehmes Klima sorgen und gleichzeitig der Artenvielfalt dienen.
Den Rasenmäher schonen
Eine einfache Möglichkeit bieten Grünflächen. Manche Gartenbesitzende trimmen ihren Rasen wöchentlich auf wenige Millimeter oder lassen ihn sogar vom Roboter täglich bearbeiten, damit er wie ein Teppich aussieht. Doch je kürzer der Rasen, desto schneller trocknet er aus. Wer höchstens fünfmal pro Jahr mäht, erspart sich viel Arbeit und kann ziemlich sicher auf den Rasensprenger verzichten. Geschnitten werden müssen nur die Bereiche, auf denen Kinder spielen oder man einen Liegestuhl aufstellen will. Dazwischen kann man hübsche Inseln mit Blumen und hohen Gräsern stehen lassen und an den Rändern darf es ruhig etwas wuchern. Eine hohe Wiese kann die Oberflächentemperatur um bis zu zehn Grad senken. Je mehr verschiedene Kräuter und Blümchen darin wachsen, desto mehr Nahrung und Unterschlupf finden Insekten. Blühender Klee, Hornklee oder Oregano sind für Bienen ein Paradies.
Bäume, Sträucher und Hecken pflanzen
Wie jeder Waldspaziergang deutlich vor Augen führt, schaffen auch Bäume ein angenehm kühles Klima. Je nach Platzverhältnissen kann man auch im eigenen Garten Bäume, Sträucher und Naturhecken pflanzen. Sie spenden Schatten und verhindern das Austrocknen der Grünflächen. Ein stattlicher Baum kann an warmen Tagen mehrere Hundert Liter Wasser verdunsten. Zudem speichern Bäume CO₂ und bremsen damit die Klimaerwärmung. Besonders wertvoll für die Biodiversität sind einheimische Sorten, die Vögeln und Insekten Nahrung und Lebensraum bieten – zum Beispiel Kornelkirsche, Feldahorn oder Vogelbeere.
Fassaden begrünen
Pflanzen, die entlang der Fassade hochranken, senken die Temperatur in Haus und Umgebung ebenfalls und halten im Winter kalte Luft ab. Kletterrosen, Clematis oder Geissblatt schauen nicht nur wunderschön aus, sondern dämpfen den Lärm, filtern die Luft und bieten manchen Kleinlebewesen Unterschlupf. Sie können in grossen Töpfen gezogen oder in eine Öffnung im Boden gesetzt werden. Manche Pflanzen benötigen Schnüre oder Drähte als Rankhilfen, die an der Fassade, an Balkonen oder Fenstern angebracht werden. Für Efeu hingegen ist das nicht nötig, denn er bildet selber Wurzeln, um sich an der Wand festzuhalten. Die Pflanze bietet Insekten und Vögeln einen wertvollen Lebensraum, kann allerdings auch die Fassade schädigen. Prachtvoll sind zudem Rebsorten, die im Herbst alle Farben annehmen. Eine ungünstige Wahl wäre jedoch die fünffingrige Jungfernrebe, weil es sich dabei um einen problematischen Neophyten handelt.
Dach begrünen
Ein Flachdach bietet ebenfalls viel Platz für eine kühlende und wasserspeichernde Pflanzenschicht. Bei Neu- und Umbauten ist die Begrünung heute vielerorts Pflicht, doch auch bei einem älteren Gebäude kann man eine Nachrüstung prüfen. Wie viel Pflanzenbewuchs möglich ist, hängt von der Statik des Daches ab. Bereits mit wenigen Zentimetern Humus können sich Moose und kleinere Pflanzen ansiedeln. Damit sich keine invasiven Neophyten breit machen – häufig ist etwa das einjährige Berufkraut –, wäre ein Zugang zum Dach optimal, um regelmässig zu jäten.
Teich anlegen
Gibt es im Garten genügend Platz, bietet sich ein Teich an. Wasser kühlt die Umgebung und bildet ein wertvolles Biotop für Pflanzen, Libellen, Frösche und andere Amphibien. Wenn kleine Kinder im Garten spielen, braucht es jedoch einen Zaun. Um den Teich regelmässig aufzufüllen, zweigt man am besten eine Leitung von der Regenrinne ab und verwendet das Dachwasser.
Regenwasser sammeln
Sowieso: Das Regenwasser über die Kanalisation in die Kläranlage fliessen zu lassen, ist eigentlich schade. Mit einer Klappe am Abflussrohr kann man es in einer Tonne oder Wanne sammeln und zum Giessen des Gartens benutzen. Damit spart man Trinkwasser, das auch in der Schweiz je nach Gegend zuweilen knapp wird. Den Rest des Dachwassers sollte man auf dem Areal versickern lassen. Denn je mehr Wasser der Garten aufsaugt, desto mehr Feuchtigkeit gibt er an heissen Tagen wieder ab. Das Giessen von Sträuchern und Bäumen erübrigt sich und gleichzeitig wird das Grundwasser gespeist. Bei vielen älteren und zum Teil auch neueren Häusern fliesst das Dachwasser jedoch immer noch in die Kanalisation. Bei einem Um- oder Neubau sollte man diesen Aspekt mitberücksichtigen. Viele Kantone geben Richtlinien vor, das Wasser über unterirdische Rohre und Rinnen versickern zu lassen oder in ein Gewässer zu leiten.
Asphalt knacken
Hitze-Hotspots sind auch versiegelte Flächen wie Parkplätze und Wege. Sie speichern die Wärme, verhindern das Versickern des Wassers und den Pflanzenwuchs. Wer den Asphalt durch Grünflächen oder Sickersteine ersetzen möchte, kann in Zürich, Winterthur, Luzern und Bülach auf die ehrenamtliche Gruppe der Asphaltknackerinnen zählen. Ansonsten erledigt dies eine Gartenbaufirma.
Ein absolutes No-go sind Schottergärten, die von abdichtenden Folien unterlegt sind. Sie sind nicht nur ökologisch katastrophal, sondern fördern auch die Hitzeentwicklung. In diversen Kantonen und Gemeinden ist das Neuanlegen der grauen Steinwüsten unterdessen verboten.

