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Bauen mit Stroh und Lehm

Nun entdecken auch Stockwerkeigentümer das Bauen mit natürlichen Baustoffen. In einem Mehrfamilienhaus in Therwil wurde konsequent mit Stroh, Lehm und Holz gebaut. Die Eigentümer freuen sich am behaglichen Klima.

In der Gemeinde Therwil im Leimental erstand 1992 eine junge Familie eine 1240 m2 grosse Parzelle samt dem schlecht gebauten Einfamilienhaus aus den 70er-Jahren. 1997 wurde das Gebiet eingezont; ein völlig neues Quartier entstand. 2007 entschied sich die Familie zum Bau eines ökologischen Mehrfamilienhauses. «Das Haus sollte ohne fossile Energie betrieben, mit natürlichen Baumaterialien sowie alters- und behindertengerecht gebaut sein», sagt Initiant Benedikt Rotach. Nach 1½ Jahren Suche waren die fünf bauwilligen Parteien beisammen. Bis die Bagger auffahren konnten, waren Details, Kostenverteilung und Wertquoten zu diskutieren. Die Nettowohnflächen liegen zwischen 115 und 140 m2.

Baumaterial aus der Umgebung

Zentral war die Verwendung von lokalen Baumaterialien mit guter Ökobilanz. «Möglichst wenig graue Energie und Transportwege war die Devise», betont Architekt Rainer Hettenbach vom Architekturbüro Degen Hettenbach Müller in Therwil. Die Speichermasse Lehm konnte teilweise direkt dem Baugrund des Grundstücks entnommen werden. Und das Stroh stammt aus der Nachbargemeinde. Die Strohballen wurden ein Jahr trocken gelagert und konnten unbehandelt verbaut werden. Stroh garantiert eine hochwertige Wärmedämmung. Das Gebäude in Therwil ist das derzeit grösste mit Strohballen gedämmte Haus in der Schweiz. «Holz, Lehm und Stroh können wiederverwertet oder rezykliert werden; das verursacht viel weniger Abfall», meint Hettenbach. Vor allem sei der Bauabfall viel kleiner. Er beziffert die Menge Bauabfall mit etwa einem Fünftel eines vergleichbaren, konventionell gebauten Hauses.

Bodenbeläge wie im Basler Münster

Die Holzlattenschalung der hinterlüfteten Fassade hat ein natürliches vorvergrautes Silber («EcoGris»), das eine gute Beständigkeit aufweist. Es ist eine Alternative zur natürlichen Verwitterung, die meist unregelmässig erfolgt. Die Grundkonstruktion des Hauses besteht aus Holzständern in Holzrahmenbauweise mit OSB-Plattenaussteifung. In wenigen Tagen wurden die Elemente auf das in Beton erstellte Untergeschoss gestellt. Die aus Schweizer Fichte hergestellten Brettstapelelemente für die Zwischenwände, Böden und das Dach sind nur mit Holzdübeln zusammengefügt. Die Brettstapelelemente garantieren auch die gesetzlichen Schallschutzanforderungen. Die OSB-Platten sind formaldehydfrei verleimt, so dass sie die Innenraumluft nicht belasten. Gesamthaft sind die Wände 55 cm dick. Die Innenwände weisen einen 6 cm dicken Putz aus Ortslehm auf. Darin sind die Elektroinstallationen und teilweise die Wandheizregister eingebettet. Die Stromleitungen sind nach elektrobiologischen Gesichtspunkten verlegt und abgeschirmt. Die abgehängten Gipsdecken sind kalkverputzt. Die in Holz/Metall ausgeführten Fenster sind dreifachverglast und haben einen U-Wert von 0,7 W/m2 K. Ein Teil der Wohnungsböden wurde in 9 cm dickem Kalk-/MörtelBelag ausgeführt – der gleiche Boden wurde schon vor 1000 Jahren im ersten Basler Münster eingebaut.

Dampfoffene Bauweise

Die Gebäudehülle ist dampfoffen konstruiert, also ohne Dampfsperren. «Wir wollten ein Gebäude, das atmen kann», betont Projektinitiant Benedikt Rotach, der mit seiner Familie im Attikageschoss wohnt. Das winkelförmige Gebäude trägt zwar kein Minergie-PEco-Label, erfüllt die Bedingungen des entsprechenden Dämmstandards aber gleichwohl. Auch ohne das Label hat die Bauherrschaft Fördergeld des Kantons erhalten. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine SoleWasser-Wärmepumpe mit drei Erdsonden in 160 Meter Tiefe. Eine geplante 30-m2-Photovoltaikanlage auf dem Flachdach wird einen Drittel des gesamten Strombedarfs decken. Der Raumwärmebedarf liegt bei 21kWh/m2 pro Jahr; zum Vergleich: Baselland verlangt bei Neubauten 32kWh/m2 pro Jahr. Dank der grossen Fensterfläche kann viel solare Passivwärme gewonnen werden.

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