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Mein Quartier baut einen Wärmeverbund

   

  Di., 22.06.2021

Beim Umstieg auf erneuerbare Heizenergie ist ein Anschluss an das Fernwärmenetz der Königsweg. Doch was tun, wenn noch kein Wärmeverbund vorhanden ist? Eigeninitiative. Der Autor berichtet, wie sein Quartier in Beringen eine holzbetriebene Heizzentrale realisiert hat.

Ein mit Hackschnitzeln befeuerter Wärmeverbund für ganze Dorfteile oder Quartiere ist energetisch und ökologisch betrachtet eine sehr gute Lösung. Doch wie realisieren Hausbesitzende ein solches Gemeinschaftsprojekt? Angefangen hat es 2008, fünf Jahre vor der Inbetriebnahme des Wärmeverbundnetzes in Beringen.

Auf erste nachbarschaftliche Diskussionen im Quartier Klösterli zu einem mit Holz befeuerten Wärmeverbund folgte der Augenschein bei bestehenden Wärmeverbünden in den Nachbargemeinden Flaach und Ossingen, unter kundiger Führung und dank der Unterstützung der Gemeinde. Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, verfasste 2009 eine Machbarkeitsstudie, finanziert vom Kanton. Darin wurden der Perimeter für einen Wärmeverbund, der Wärmebedarf, die technischen Lösungen wie auch mögliche Rechtsformen des zukünftigen Unternehmens aufgezeigt. «Für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Wärmeverbunds müssen Anschlussdichte und Wärmebezugsdichte möglichst hoch sein», so Experte Keel. «Gute Werte liegen bei >2 MWh/a pro Laufmeter Netz respektive > 70 kWh/m2 Zonenfläche. Damit ein Wärmeverbund im Vergleich zu Individuallösungen mit Wärmepumpen konkurrenzfähig ist, sollten die Wärmegestehungskosten unter 0,17 CHF/kWh Nutzenergie liegen.»

Quartier gründet KMU

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden die Hausbesitzenden im definierten Projekt-Perimeter in Beringen angefragt, ob ein Anschlussinteresse besteht. Das Echo war erfreulich gross und so konnte Mitte 2012 die Holzenergie Beringen GmbH – ein KMU auf privater Basis – gegründet werden. Dank attraktiven Anschlussbedingungen, konkurrenzfähigen Wärmepreisen und den zugesprochenen Fördergeldern für Betreiber und Wärmebezüger schloss das neue KMU innerhalb kurzer Zeit die Wärmelieferverträge mit den Eigentümern von zwölf Mehrfamilien-, sieben Einfamilienhäusern und zwei Gewerbebauten, mit dem Altersheim, der Gemeindeverwaltung und dem Gemeindewerkhof ab. Sie alle profitieren seit nunmehr acht Jahren vom Komfort, sich nicht um die Heizung kümmern zu müssen und vom Wissen, CO2- neutral zu heizen. Die Hausbesitzenden gewinnen Wohn oder Lagerraum durch den Wegfall der demontierten Ölheizungen und den Ausbau des Tanks. Mit einer Wärmeabgabe von rund 2000 MWh pro Jahr wurden in Beringen seit 2013 rund 1600000 Liter Heizöl durch Holzenergie ersetzt.

Beat Winterflood
Ingenieur, im Vorstand von Casafair Ostschweiz

Aus «casanostra» 161

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