Schliessen

Casafair Logo

Bereits Mitglied? Einloggen und weiterlesen

Ratgebertexte und Hintergrundartikel sind nur für Casafair Mitglieder kostenlos.

Nicht-Mitglieder haben kostenlosen Zugriff auf 5 Texte. Sie können noch 5 Artikel kostenlos lesen.

Liegenschaften unterhalten – Biodiversität fördern

  

  Do., 03.09.2026

Der Wohnungsbau setzt der Biodiversität stark zu. Gleichzeitig bieten unsere Siedlungsräume zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Zwischenlebens- und Rückzugsräume. Wie können wir die Biodiversität rund um unsere Wohngebäude also schützen? Zunächst einmal durch umweltgerechte Pflege- und Unterhaltsmassnahmen.

Die Biodiversität bildet ein Netz, das unsere Ökosysteme und damit unsere Gesellschaft widerstandsfähig macht. Wir sind auf die Natur angewiesen. Wenn das Netz aber löchrig wird, kann das gesamte System aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Bautätigkeit trägt wesentlich zum Verlust der Artenvielfalt bei – durch Verstädterung, Zerschneidung und Verarmung von natürlichen Lebensräumen und durch die Umweltverschmutzung. Allerdings dienen unsere Gebäude heute zahlreichen Tieren und Pflanzen als Lebensraum. Entscheidend ist nun, dass Strukturen erhalten bleiben, welche die Artenvielfalt fördern, dass mehr Grünflächen geschaffen werden und dass umweltschädliches Verhalten allgemein vermieden wird.

In diesem Artikel beleuchten wir die Risiken und Chancen, die der Unterhalt von Gebäuden und ihrer Umgebung mit sich bringt. Pflege und Unterhalt sind zwar für den Erhalt von Liegenschaften unverzichtbar, sollten aber möglichst biodiversitätsschonend durchgeführt werden. Die folgenden vier Grundsätze zeigen, wie das gelingen kann.

Umweltgifte vermeiden

Bei der Pflege und beim Unterhalt von Gebäuden kommen häufig umweltschädliche Stoffe zum Einsatz. Sie belasten Böden, Gewässer, Mikroorganismen und Pflanzen. Besonders stark betroffen davon sind Tiere, in deren Organismus sich Schadstoffe über die Nahrungskette anreichern.

Zu den Hauptquellen von Schadstoffen gehören Reinigungsmittel, deren Verwendung oft streng geregelt ist. Gemäss der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) ist beispielsweise der Einsatz von Bioziden zur Bekämpfung von Moos und Algen auf Dächern, Terrassen, Parkplätzen und anderen befestigten Flächen verboten. So soll verhindert werden, dass schädliche Stoffe in die Natur gelangen. Auch einige Hausmittel wie Essig oder Salz dürfen nicht verwendet werden. Stattdessen können thermische Methoden (kochendes Wasser, thermische Unkrautvernichter) sowie mechanische Lösungen (Bürsten, Besen) Abhilfe schaffen. Im besten Fall sollte einem Befall aber von Anfang an vorgebeugt werden. Um zum Beispiel Schimmelbildung an Fassaden zu verhindern, kann der Dachvorsprung angepasst werden, um Witterungseinflüsse zu reduzieren. Stark verschattende Pflanzen sollten zurückgeschnitten und Risse, in denen sich Feuchtigkeit ansammelt, ausgebessert werden.

Eine weitere Schadstoffquelle sind Oberflächenschutzmittel. Einige Holzschutzmittel gefährden Fledermäuse direkt, da die geschützten Tiere in Holzteilen von Gebäuden, wie in Dachstühlen, hinter Fassadenplatten und Rollläden, Quartier beziehen können. Die Stiftung Fledermausschutz hat eine Liste unbedenklicher Holzschutzmittel veröffentlicht. Darüber hinaus enthalten auch viele Fassadenbeschichtungen und Farben problematische Stoffe. Beim Neuanstrich einer Fassade sollten daher vorrangig zertifizierte biozidfreie Produkte verwendet werden. Die Schweizer Stiftung Farbe hat dazu ein Verzeichnis erstellt.

Eine letzte Schadstoffgruppe bilden die Stoffe, die in Baumaterialien enthalten sind. Beim Ersetzen von Bauteilen sollten Sie sich für umweltfreundliche Alternativen entscheiden – und beispielsweise eine Dämmung aus expandiertem Polystyrol oder petrochemischen Schaumstoffen ersetzen, denn solche Materialien setzen während des gesamten Lebenszyklus flüchtige organische Verbindungen frei. Diese schaden einigen Gebäudebrütern wie Schwalben oder Mauerseglern. Auf der Plattform ecoProdukte des Vereins ecobau finden Sie Materialien, die mit einem Gütesiegel für gute ökologische Leistungen ausgezeichnet sind. Bitte sorgen Sie zudem für eine verantwortungsvolle Entsorgung der alten Baustoffe.

Regelmässig pflegen, auch gegen invasiven Arten

Regelmässige Pflegemassnahmen helfen auch bei der Bekämpfung invasiver gebietsfremder Pflanzen. Diese sich schnell ausbreitenden Arten gefährden die einheimische Pflanzenwelt. Solche Arten sind häufig in Gärten anzutreffen. Einige von ihnen – darunter das einjährige Berufkraut oder die kanadische Goldrute – gedeihen aber auch zwischen Pflastersteinen, auf Kiesflächen, in Asphaltrissen und sogar auf Flachdächern. Die Website von InfoFlora informiert über diese Neophyten und gibt die jeweils geeigneten Massnahmen zu ihrer Bekämpfung an. Anstatt chemische Mittel zu verwenden, sollten Sie manuell dagegen vorgehen und die Pflanze samt Wurzeln herausreissen. Hilfreich ist auch eine integrierte Bewirtschaftung: Auf den befreiten Flächen sollten Sie einheimische Wildpflanzen aussäen. RegioFlora stellt ein Online-Tool bereit, das Sie bei der Auswahl der geeigneten Wildpflanzen unterstützt. So haben invasive Arten weniger Platz, um sich erneut anzusiedeln. Lassen Sie stattdessen unproblematische Pflanzen spontan überall dort gedeihen, wo dies möglich ist. Sie fördern die Biodiversität.

Bei einigen von Menschen gepflegten Pflanzen handelt es sich um invasive Neophyten. Dazu gehören beispielsweise der Sommerflieder (Buddleja davidii), der Kirschlorbeer (Hecken) und auch die gewöhnliche wie auch die fünffingerige Jungfernrebe, mit der Mauern und Fassaden begrünt werden. Informieren Sie sich über diese Arten und ihre Alternativen sowie über mögliche kantonale oder kommunale Finanzhilfen für den Ersatz von invasiven Pflanzen in Hecken.

Gartenpflege und Biodiversität: weniger ist mehr

Die Biodiversität kann sich nicht in intensiv gepflegten Gärten entfalten, in denen übermässige Ordnung herrscht. Gleichförmige Rasenflächen, die auf den Millimeter genau getrimmt sind, bieten nur eine geringe Vielfalt an Ressourcen und wenig Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere. Neben dem Einsatz von Düngemitteln oder Pestiziden können auch bestimmte Praktiken eine unmittelbare Gefahr für bestimmte Arten darstellen. Dazu gehört das Verbrennen von Grüngut im Garten, das ohnehin verboten ist. Mähen Sie stattdessen weniger, mulchen Sie Ihren Gemüsegarten mit Blättern und Totholz oder legen Sie Asthaufen oder Astwälle als Unterschlupf für Kleintiere an.

Pflegen, ohne die Tierwelt zu stören

Wir sind uns der scheuen Tiere, die Teil unseres Lebensraums sind, häufig nicht bewusst. Zuweilen stören wir ihre Ruhe und bringen sie besonders durch Pflege- und Unterhaltsarbeiten sogar in Gefahr.

Durch den Lärm von Laubbläsern und Rasenmähern geraten diese Tierarten im Garten oder auf Wegen unter Stress. Vor allem vollautomatische Rasenmäher können sich für den nachtaktiven Igel als lebensgefährlich erweisen. Sie sollten Ihren Mähroboter daher niemals abends oder nachts laufen lassen.

Bei Bauarbeiten ist besondere Vorsicht geboten: Wir können auf Tierarten stossen, die gemäss der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV) und des Jagdgesetzes (JSG) geschützt sind. Dazu gehören Fledermäuse, Amphibien und zahlreiche Vogelarten. Ihre Nester dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Die Eier dürfen nicht entfernt und die Tiere dürfen während der Brutzeit nicht gestört werden. Fassaden- oder Dacharbeiten müssen daher ausserhalb der Brutzeit, die von Anfang März bis Ende Juli dauert, durchgeführt werden. Wenn Fassaden über einen längeren Zeitraum renoviert werden müssen, können unter fachlicher Begleitung Ersatznistkästen am Gerüst angebracht werden. Die Schweizerische Vogelwarte stellt auf ihrer Website eine Entscheidungshilfe für den Fall bereit, dass Arten und Nester bei Bauarbeiten entdeckt werden. In ihrer Broschüre «Nistplätze für Segler», die mit Unterstützung von Casafair erstellt wurde, finden sich weitere Tipps, die oft für die gesamte Vogelwelt gelten. Die Stiftung Fledermausschutz informiert eingehend über Fledermäuse. Hilfreiche Hinweise zu Amphibien finden Sie auf der Website der karch.

Zuletzt bieten Unterhaltsmassnahmen die Gelegenheit, Mängel am Bauwerk zu erkennen, aber auch dessen Potenzial für die Tierwelt zu ermitteln. Gefahren können ausgehen von grossen Glasflächen (Vogelkollisionen), Lichtschächten (gefährlich für Amphibien und Igel), Schornsteinen und Regenrinnen (Stürze von Sperlingsvögeln oder Fledermäusen) sowie übermässiger Beleuchtung (starke und zuweilen tödliche Anziehung insbesondere auf Insekten). Diese Risiken können einfach reduziert werden, beispielsweise durch das Anbringen von Klebefolie an Fensterscheiben oder die Einrichtung von Vorrichtungen, die Stürze verhindern. Auf den Websites von Pro Natura und dem Verein StadtWildTiere Zürich finden Sie eine entsprechende Liste.

Fazit: Pflege- und Unterhaltsmassnahmen bergen häufig Gefahren für die Biodiversität. Diese für den Erhalt der Bausubstanz unverzichtbaren Massnahmen ermöglichen uns aber auch, die Auswirkungen der gebauten Umwelt auf Tiere und Pflanzen bewusster wahrzunehmen – und die Biodiversität künftig besser zu schützen.

 

 

 

 

Werbung

ABS PWG