Wer umweltfreundlich baut oder renoviert, kann bei Banken Hypotheken mit dem Zusatz «Umwelt-, Minergie-, Nachhaltigkeitoder Öko-» beantragen und von Zinsreduktionen profitieren. «Casanostra» zeigt die Bedingungen und Vor- und Nachteile solcher Umwelt-Hypotheken.
Wer beim Bauen oder Renovieren auf die Umwelt beziehungsweise den CO2-Ausstoss achtet, findet bei Dutzenden Banken spezielle Bau- und Renovationskredite mit «Sonderkonditionen». Solche Umwelt-Hypotheken schaffen vor allem einen finanziellen Anreiz, um Wohnbauten energetisch besser und nachhaltiger zu gestalten. Gemäss dem Schweizer Hypothekenvermittler Moneypark bewegen sich die Zinsabschläge der Banken für Minergie- oder energetisch sanierte Immobilien im Rahmen von 0,2 bis 0,5 Prozentpunkten.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wirbt auf ihrer Website zum Beispiel mit einem «Umweltdarlehen» um Kunden, welche «neu bauen oder Ihr Eigenheim renovieren und dabei die Umwelt schonen». Die ZKB verspricht einen «vergünstigten Zinssatz von 0,8 Prozent während maximal fünf Jahren». Mit dem Geld können Neu- oder Umbauten nach allen Minergie- Standards, energetische Sanierungen oder Investitionen in erneuerbare Energien finanziert werden. Der Haken: Die Vergünstigung wird nur auf Festhypotheken und nur für bis zu fünf Jahre gewährt. Immerhin: Die ZKB übernimmt auch die Zertifikatsgebühren für den Minergie-Standard. Vergleiche von «casanostra» zeigen: Die Bedingungen für den Erhalt einer Öko- Hypothek unterscheiden sich leicht von Bank zu Bank.
Die Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Hauptsitz in Olten verlangt von Hypothekarkunden zum Beispiel, dass «die Liegenschaft nicht zur Zersiedelung beiträgt». Ferienwohnungen finanziert die ABS grundsätzlich nicht. Wie bei jeder Bank müssen Kreditnehmerinnen und -nehmer auch bei der ABS genügend Eigenmittel haben – in der Regel 20 Prozent – und einen Kredit langfristig tragen können. Gemäss Rico Travella, Leiter Marketing und Kommunikation bei der ABS, beträgt der Zinsunterschied für eine Umwelt-Hypothek im Vergleich zur «normalen» Hypothek «zwischen 0,05 bis 0,15 Prozent pro Jahr und zwar während der gesamten Zeit der Geschäftsbeziehung». Die ABS nutzt ein eigenes Bewertungstool, welches entlang fünf Bereichen (Betriebsenergie, Bauökologie, Standort, Nutzung und Ökonomie) die Nachhaltigkeit von Liegenschaften aufzeigt, um von einem allfälligen Zinsvorteil profitieren zu können.
Die meisten Banken verlangen für den Abschluss einer Öko-Hypothek ein Minergie-Zertifikat oder einen GEAK-Ausweis der Klasse A. GEAK steht für Gebäude- Energie-Ausweis der Kantone. Dabei prüft eine zertifizierte Fachperson, wie energieeffizient die Gebäudehülle vor der geplanten Renovation ist – und bestimmt, wie energieeffizient sie danach sein wird. Der ermittelte Energiebedarf wird in Klassen von A («sehr energieeffizient») bis G («wenig energieeffizient») eingeteilt. Gut zu wissen: Einige Banken gewähren für einen höheren GEAK-Standard aucheinen höheren Zinsrabatt.
Die Zinsverbilligungen der Banken sollen auch die Mehrkosten für ökologisches Bauen und Renovieren reduzieren. Sie liegen gemäss Baufachleuten bei mindestens 5 Prozent gegenüber der konventionellen Bauweise. Doch solche Mehrinvestitionen machen sich bezahlt: Gemäss einer älteren Studie der Zürcher Kantonalbank lag der Mehrpreis für Minergie-Einfamilienhäuser beim Verkauf bei 7 Prozent, bei Eigentumswohnungen bei 3,5 Prozent. Auswertungen von Wüest Partner von 2017 ergaben bei Minergie-P-ECO-Wohnungen zudem um 3,6 Prozent höhere Mieterlöse. Ökologisches Bauen ist somit nicht nur für die Kreditnehmenden, sondern auch für die Banken interessant, da der Wert solcher Immobilien eher steigt.
Doch wie gehen Kreditsuchende am besten vor, um eine attraktive Finanzierung zu finden? Stefan Heitmann, Geschäftsleiter des Hypothekenvermittlers Moneypark, sagt: «Der erste Schritt ist immer, die Kriterien der Bank genau zu prüfen: Wie kann ich mich für diese Hypothek qualifizieren? Was muss mein Objekt erfüllen? Kann ich die Kriterien überhaupt erreichen?» Florian Schubiger, Geschäftsführer des Vergleichsdiensts Hypotheke.ch, gibt Sparfüchsen einen Tipp: «Wer nicht vergleicht, zahlt zu viel. Nicht selten kann durch gutes Verhandeln mit einer normalen Hypothek ein besserer Zinssatz ausgehandelt werden als mit einer grünen Hypothek.»
Die Mindestkreditsumme bei «grünen» Krediten beginnt ab 0 bis 20 000 Franken.
Die Laufzeiten der Umwelt-Hypotheken variieren in der Schweiz meist zwischen 1 und 15 Jahren.
Die Zinsboni sind oft zeitlich beschränkt. Es kann sein, dass eine Öko-Hypothek mit einer festen Laufzeit von zehn Jahren nur fünf Jahre lang verbilligt wird.
Günstige Libor- bzw. Saron- Hypotheken finden sich selten im Öko-Angebot. Wer nur auf Zinsvorteile schielt, sollte auch solche Geldmarkthypotheken prüfen. Historisch betrachtet waren Geldmarkthypotheken meist die günstigste Finanzierungsvariante.
Auch Bund und Kantone unterstützen nachhaltiges Bauen mit Förderbeiträgen. Mehr dazu unter: dasgebaeudeprogramm.ch und energieschweiz.ch.
Die kreditgebende Bank übernimmt in der Regel die Zertifizierungskosten für ein Minergie-Haus oder die Gebühren für einen GEAK-Bericht.
Bund und Kantone unterstützen nachhaltiges Bauen mit Förderbeiträgen.
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