Wenige Generationen zurück war das «Wasserklosett» noch ein Luxus. Heute sind WCs der Standard. Immer öfter aber sehen wir an Festivals und anderswo, wo ein Anschluss an die Kanalisation fehlt, statt der chemischen TOI TOIs schicke Holzhäuschen. Firmen aus der Schweiz und dem umliegenden Ausland bieten diese auch für den Einbau im Ein- und Mehrfamilienhaus an.
Moderne Trockentoiletten sind nahezu geruchlos. Die Funktionsweise ist immer dieselbe: Die Fäkalien werden in einem Behälter, zusammen mit dem WC-Papier gesammelt. Statt zu spülen, wird das Geschäft mit Sägemehl, Stroh, Kohle oder Ähnlichem gedeckt. Das Streugut bindet die Feuchtigkeit und beugt schlechten Gerüchen vor. Nun werden die Fäkalien von Würmern, durch Fermentierung oder in einem gemischten Verfahren kompostiert. Allfällig getrennt gesammelter Urin wird zu hochwertigem Dünger verarbeitet. Je nach Schätzung reduziert eine Trockentoilette den Trinkwasserverbrauch um bis zu 30 Prozent. Die Schweiz kennt bislang keine Wasserknappheit, doch die Abwasserreinigung und Wiederaufbereitung sind teuer und energieintensiv. Der ökologisch grösste Vorteil liegt aber in der Kreislaufnutzung der Fäkalien und der darin enthaltenen Mineralstoffe für die Herstellung von Humus und Dünger. So wird die Abhängigkeit von Kunstdünger, der oft aus fossilen Stoffen besteht, verringert und statt Wasser zu verschmutzen, trägt «unser Geschäft» zum Aufbau von fruchtbaren Böden bei.
Komposttoiletten in 116 topmodernen Wohnungen in der Agglomeration Genf
In Pionierarbeit hat die Genossenschaft Equilibre seit 2011 drei Siedlungen mit insgesamt 116 Wohnungen teilweise mit Komposttoiletten gebaut. In der Siedlung «Cressy» führt von jedem Klo eine senkrechte Leitung zur separaten Wurmkompostanlage im Keller. Ein Schilfbett filtert das Grauwasser. In «Soubeyran » werden die Fäkalien und das Grauwasser von 100 Personen je in einer zentralen Kompostieranlage im Garten von Hunderten von Kilos von Würmern aufbereitet. In «Les Vergers» verfügen manche Toiletten über einen direkt integrierten Einzelkomposter, ein sogenanntes «Cacarrousel». Alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Was im Bericht des Bundesamts für Wohnungswesen, der die Erfahrungen der Genossenschaft als Referenzprojekt auswertet, aber auffällt: Alle Systeme geniessen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern eine sehr hohe Akzeptanz.
Bei Equilibre zeigt man sich vom Potenzial der Trockentoiletten überzeugt. Und: «Täglich eine Komposttoilette zu benutzen, hilft uns zu verstehen, dass wir Teil der Natur sind, und erinnert daran, dass wir, indem wir die Natur schützen, uns selbst schützen.»


