Der Klimawandel hat Auswirkungen auf Gärten und Grünräume. Die zunehmenden Schwankungen beim Niederschlag setzen Gehölzen und Stauden zu. Pflanzen aus Regionen, die ein ähnliches Klima hatten, können in Zukunft als Ersatz dienen.
Mit dem Klimawandel werden Hitzeperioden häufiger, länger und heisser. Starkniederschläge nehmen zu. Bei Gewittern werden Hagelkörner in gewissen Regionen grösser. Vor allem im Siedlungsraum mit den vielen versiegelten Flächen ist die Hitzebelastung gross. Die zunehmende Trockenheit verändert Lebensräume und das Verbreitungsgebiet von Pflanzenarten. Für Hauseigentümer*innen gilt es dies im Fokus zu behalten und Anpassungen vorzunehmen, insbesondere, wenn man das Umgebungsgrün neugestalten möchte. Dabei gilt: Die richtige Pflanze für den richtigen Standort auswählen. Eine Pflanzplaner*in schaut, ob der Boden trocken, feucht oder wechselfeucht ist. In welchen Ökosytemen auf unserem Planeten herrschen ähnliche Bedingungen? Wenn das Temperaturmittel und die Trockenheit nun zunehmen – wo gibt es ähnliche Bedingungen? Einerseits in Regionen mit Mittelmeerklima, andererseits in Steppenlandschaften, mit je einer reichhaltigen Pflanzenvielfalt. Im Wallis gibt es teilweise ebenfalls sehr wenig Niederschläge, aber mit einer äusserst reichhaltigen Flora! Auch in Trockenwiesen und Felsensteppen werden wir fündig mit einheimischen Pflanzen, die Trockenheit lieben.
Wenn wir in Zukunft mehr Gewitter mit grösseren Hagelkörnern zu erwarten haben, dann hat dies Auswirkungen auf die Bepflanzung. Grosse und eher weiche Blätter einer Pflanze werden schneller zerfetzt. Tendenziell hilft es vermutlich, Stauden zu pflanzen mit eher nadelartigen Blättern und/oder mit einem schnellen Neuaustrieb, doch 5 cm grosse Hagelkörner zerstören fast alles. Statt ein pflegeintensiver englischer Rasen ist eine Wiese oder ein Rasen mit Kräutern widerstandsfähiger. Und generell statt Monobepflanzungen auf Vielfalt setzen.
Klimaangepasste Bepflanzungen mit Stauden
Um eine langlebige Staudenbepflanzung anzulegen, muss man die Bedürfnisse der Stauden kennen und sie am richtigen Standort pflanzen. Schattenpflanzen haben nichts zu suchen an praller Sonne! Stauden gedeihen besser, leben länger und brauchen weniger Pflege, wenn sie an einem Platz wachsen, an dem sie sich besonders wohlfühlen. Deshalb achten Pflanzplaner*innen auf die Lebensräume, die von Hansen/Stahl typologisiert werden: Nach diesem Prinzip wird in sieben Lebensbereiche eingeteilt: Gehölz (G), Gehölzrand (GR), Freifläche (FR), Steinanlagen (ST), Beet (B), Wasserrand (WR) und Wasser (W). Bei der Pflanzenverwendung ist es zentral, den Standort genau anzusehen und dann auf die Suche nach passenden Pflanzen dieses Lebensbereiches zu gehen, inklusive deren Bedarf an Feuchtigkeit. Durch den Klimawandel haben Stauden mit erhöhtem Wasserbedarf während der ganzen Saison zunehmend Mühe. Auf eine künstliche Bewässerung kann mit trockenheitsverträglichen Arten verzichtet werden. Das ist bestens möglich. Beth Chatto mit ihrem Kiesgarten (nicht zu verwechseln mit den tristen Schottervorgärten!) in Südostengland zeigt dies. Dort hat es weniger Niederschläge als hier im Mittelland. Es entstanden erstaunliche und inspirierende Gartenbilder, die bezüglich Blütenreichtum nichts zu wünschen übriglassen. Es gibt mehrere Florengebiete, die ohne viele Niederschläge auskommen, seien es Regionen mit mediterranem Klima (auch in Südafrika und Australien) oder solche mit Steppenklima, wie zum Beispiel in Osteuropa. In Schaugärten kann man sich inspirieren lassen, etwa bei Gartenwerke in Eriswil BE. Hiesige Staudengärtnereien bieten ein spannendes Staudensortiment an für solche Hitze- und Trockenheitskünstler, Beratung inklusive. In Wildstaudengärtnereien gibt es ein Sortiment an einheimischen Pflanzen, die Trockenheit lieben.
Eine Pflanzenkombination aus verschiedenen Florengebieten verlängert zudem die Blütensaison. Einige Beispiele gefällig? Der einheimische Blutstorchenschnabel, Salbeiarten (Salvia officinalis, S. nemorosa, S. verticillata), diverse Wolfsmilchgewächse, Brandkraut, Bergenien, Fetthennen, Sonnenröschen, Katzenminzen, Origanum, Goldlack und diverse Gräser wie zum Beispiel Federgräser. Pflanzen haben verschiedene Strategien, die Verdunstung zu minimieren und der Trockenheit zu trotzen: silberlaubige Arten (Artemisien, Heiligenkraut, Mondfenchel), solche mit nadelartigem Blattwerk (Rosmarin, Heiligenkraut), einem Verdunstungsschutz aus ätherischen Ölen (Lavendel, Rosmarin) oder einem Blattwerk, das Feuchtigkeit speichert (Sedum).
Bestimmte Bäume trotzen dem Klimawandel
Für gewisse Bäume wird es in Zukunft schwierig werden, Buchen und Fichten gehören zu den kommenden Verlierern. Bei Neupflanzungen setzt man deshalb auf trockenheitsverträgliche Gehölze. Da Bäume langsam wachsen, haben insbesondere jene Arten Zukunft, welche das heutige und ebenso das zukünftige Klima ertragen. Zukunft haben im Wald die Traubeneiche, Linden, Spitzahorn, Kirschbaum, Nussbaum, Föhren und Douglasien. Im zunehmend verdichteten Siedlungsraum mit verkleinerten Grünräumen sind diese oft zu gross. Deshalb gilt die Suche auch den kleineren Gehölzen. Gehölze niederschlagsarmer Regionen, zum Beispiel aus dem Mittelmeerraum können passend sein. Axel Heinrich, Dozent Pflanzenverwendung an der ZHAW in Wädenswil, empfiehlt beispielsweise den Judasbaum Cercis siliquastrum, die Mehlbeere Sorbus latifolia «Henk Vink», den französischen Ahorn Acer monsspessulanum, wie auch Tetradium (Euodia) daniellii, Honigesche oder Bienenbaum genannt. Bei den Sträuchern den Perückenstrauch, den Mönchspfeffer oder die Ölweide. Ebenfalls tauglich sind Felsenbirne, Feldahorn oder der wollige Schneeball, alles einheimische Gehölze. Es lohnt sich, einen Baumschulisten beizuziehen, um den richtigen Baum zu finden, also nicht einfach im Baumarkt zuzugreifen. Mit der zunehmenden Hitze kommt auch die Thuja nicht mehr zurecht. Man sieht an vielen Orten kranke und absterbende Thujahecken. Zeit also, diese zu ersetzen durch eine passendere Hecke, insbesondere mit einheimischen Trockenkünstlern.


