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Wenn’s wie­der kreucht und fleucht

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Fr, 06.04.2018

Jetzt zieht es Hob­by­gärt­ne­rin­nen und ‑gärt­ner wie­der nach draus­sen. Land­auf, landab will die Umge­bung wie­der aus dem Win­ter­schlaf erweckt und in Schuss gehal­ten wer­den. Wie aber wird des Gar­ten­lieb­ha­bers Para­dies auch zu einem Eldo­rado für aller­lei Vögel, Insek­ten und Nütz­linge? Casanostra hat bei Exper­ten nach­ge­fragt.

Wer über einen Gar­ten ver­fügt, kann die ers­ten war­men Tage kaum erwar­ten. Die Bio­gärt­ne­reien, Gar­ten­cen­ter und die ein­schlä­gi­gen Abtei­lun­gen der Gross­ver­tei­ler haben in die­sen Tagen Hoch­kon­junk­tur. Gärt­nern beginnt näm­lich im Kopf – nicht mit dem Tritt auf den Spa­ten: «Ein gutes Gar­ten­jahr star­tet mit dem fes­ten Vor­satz, nicht bloss enthu­si­as­tisch anzu­fan­gen und dann den Gar­ten wegen Arbeits­über­las­tung, Ferien oder ande­rem sich sel­ber zu über­las­sen, son­dern das ganze Jahr dran zu blei­ben», mahnt Gar­ten­ge­stal­ter Fredi Zol­lin­ger. Aus­ser­dem sei im ab und an noch kal­ten April durch­aus Geduld gefragt: «Auch wenn man vor Vor­freude und Unge­duld fast platzt: es lohnt sich, mit der Boden­be­ar­bei­tung zuzu­war­ten, bis der Boden nicht mehr schmie­rig und etwas auf­ge­wärmt ist.»

So ganz ist der Win­ter ja auch noch nicht über­stan­den. Die Eis­hei­li­gen fol­gen noch. Darum ist es die­ser Tage noch zu früh für käl­te­emp­find­li­che Pflan­zen, rät Ralph Schwarz von der Firma Ander­matt Bio­gar­ten in Gross­diet­wil: «Die Toma­ten wer­den zwar schon über­all zum Ver­kauf ange­bo­ten, jedoch soll­ten diese nicht vor Mitte Mai nach draus­sen gepflanzt wer­den.» Auch Gur­ken und Pepe­roni über­ste­hen Nacht­fröste schlecht. «Rüebli, Erb­sen und Zwie­beln kön­nen aber beden­ken­los bereits ab Mitte März aus­ge­sät wer­den», fügt Fredi Zol­lin­ger hinzu. Und wei­ter: «Auch Salate, Fen­chel und Kohl­ge­wächse kön­nen schon früh gesetzt wer­den, wenn sie mit einem Vlies gedeckt wer­den.»

Wenn bloss die Schne­cken­plage nicht wäre

Die Gar­ten­lust kann frei­lich dem Gar­ten­frust wei­chen, wenn die Schne­cken im Gar­ten ein­fal­len wie wei­land die Hun­nen im Reich der Ost­go­ten. Der Griff zu den Schne­cken­kör­nern ist dann nicht die beste Lösung. Fredi Zol­lin­ger emp­fiehlt den Schne­cken­zaun aus Blech: «Das funk­tio­niert aller­dings nur, wenn es nir­gends einen Durch­schlupf oder natür­li­che Brü­cken durch Grä­ser oder Zweige gibt.» Und selbst dann schleppe man – etwa mit dem Kom­post – manch­mal Schne­cken ein, wel­che wie­der ein­ge­sam­melt wer­den müs­sen.

Eine effek­tive Mass­nahme gegen Schäd­linge im Gar­ten ist auch eine rei­che Arten­viel­falt. Stimme der Lebens­raum, seien die Schäd­linge weni­ger pro­ble­ma­tisch, weil auch die Zahl der Nütz­linge steige, sagt Ralph Schwarz: «Je mehr Spitz­mäuse, Igel und Vögel im Gar­ten woh­nen, desto weni­ger Enger­linge habe ich.» Gar­ten­ge­stal­ter Zol­lin­ger ergänzt: «Was es braucht, ist eine mög­lichst grosse Viel­falt an ein­hei­mi­schen Pflan­zen und Lebens­räu­men. Nur so ent­steht ein Gleich­ge­wicht, in dem die Gefahr von mas­sen­haf­tem Auf­tre­ten von Schäd­lin­gen und Krank­hei­ten redu­ziert wer­den kann.»

«Den Gar­ten ein­fach ver­wil­dern zu las­sen, ist noch nicht Bio­di­ver­si­tät.»

Eine grosse Arten­viel­falt regu­liert vie­les sel­ber. Man könne aber durch­aus auch nach­hel­fen: «Nütz­linge las­sen sich auch aus­set­zen», sagt der Gar­ten­ex­perte Ralph Schwarz: «Der ein­hei­mi­sche Zwei­punkt-Mari­en­kä­fer bei­spiels­weise hilft gegen Blatt­läuse.» Ab und an kön­nen aber auch Nütz­linge zu Schäd­lin­gen mutie­ren. Der Ohr­wurm etwa ist im Obst­bau beliebt, weil er näch­tens bis zu 120 Blut­läuse ver­putzt. Geht ihm jedoch die Beute aus, macht er sich über Blü­ten und über­rei­fes Obst her

Auch Arten­viel­falt bedingt Pflege

Dann und wann wird der natür­li­che Gar­ten mit einem wuchern­den und wil­den Gar­ten gleich­ge­setzt. Das sei aber falsch: «Ver­wil­dern las­sen ist noch nicht Bio­di­ver­si­tät», meint Fredi Zol­lin­ger. «Dass ein natur­na­her Gar­ten ein­fach sich sel­ber über­las­sen wer­den kann, ist ein gros­ser Irr­tum. Oder zeugt von der fal­schen Hoff­nung, sich mit einem ver­wil­der­ten Gar­ten als För­de­rer der Bio­di­ver­si­tät brüs­ten zu kön­nen.» Auch ein Natur­gar­ten bedinge Pflege, ergänzt der Experte von Ander­matt Bio­gar­ten, Ralph Schwarz: «Viele Sträu­cher müs­sen für ein opti­ma­les Wachs­tum geschnit­ten wer­den.» Dane­ben brau­che es geeig­nete Lebens­räume: etwa Stein­hau­fen mit Hohl­räu­men für Amphi­bien oder tro­ckene Unter­schlüpfe für Igel.

Auch beim Thema Jäten gebe es Miss­ver­ständ­nisse, sagen die Fach­leute. Jäten sei durch­aus emp­feh­lens­wert, wenn die Jagd nach jedem unge­plan­ten Kräut­lein nicht über­trie­ben werde. «Durch Jäten schafft man Lebens­raum, weil man die Diver­si­tät der Pflan­zen erhöht und ihnen Platz schafft», sagt Ralph Schwarz. Aller­dings: «Wenn man es über­treibt und gar kei­nen natür­li­chen Pflan­zen­wuchs zulässt, scha­det man dem Lebens­raum.»

Ähn­lich sieht es aus beim wöchent­lich gemäh­ten Rasen, wel­chen viele schät­zen. Die­ser sei nicht in jedem Fall ein Bio­di­ver­si­täts­kil­ler – wenigs­tens nicht, solange der Gar­ten nicht nur aus Rasen und Thu­ja­he­cke bestehe. Fredi Zol­lin­ger: «Wenn auf den Ein­satz von Her­bi­zi­den und syn­the­ti­schen Dün­gern ver­zich­tet wird, kann die Spiel- oder Lie­ge­wiese durch­aus ihre Berech­ti­gung haben. Es besteht ja auch die Mög­lich­keit, auf kaum genutz­ten Rand­be­rei­chen oder mit ‹Blu­men­in­seln› dem Wunsch nach der für die Arten­viel­falt tat­säch­lich viel wert­vol­le­ren Natur­wiese Rech­nung zu tra­gen.»

Die­sem Ansatz pflich­tet Ralph Schwarz bei: «Das schliesst sich nicht aus und macht einen Gar­ten doch erst span­nend: Auf dem Lie­ge­stuhl lie­gen, den Schmet­ter­lin­gen zuse­hen und dabei gesunde Bee­ren aus dem eige­nen Gar­ten essen – das ist doch traum­haft.»

Der Autor

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Andreas Käser­mann
Redak­tor «casanostra», Ver­ant­wort­li­cher Kom­mu­ni­ka­tion Casafair Schweiz

Aus «casanostra» 145

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