Schliessen

Casafair Logo

Wenn der Nach­bar das Fäl­len des Bau­mes ver­langt

Haus & Gar­ten, Woh­nen & Nach­bar­schaft

Bio­di­ver­si­tät, Gar­ten, Gesetz, Media­tion, Sicher­heit

Mi, 01.01.2014

Bäume haben die schlechte Eigen­schaft, dass sie nicht nur Schat­ten machen, son­dern zu allem Über­druss noch Blät­ter abwer­fen und über die Grund­stücks­grenze wach­sen. Unzäh­lige Gerichte beschäf­ti­gen sich mit sol­chen Fäl­len. Ein Bericht aus St. Gal­len.

Das Cor­pus Delicti ist eine Tanne von 17 Metern Höhe an einer Hang­lage. Sie steht in einer Distanz von etwa 5 Metern zur Grenze des Grund­stücks und ist in ihrem 35-jäh­ri­gen Dasein präch­tig gedie­hen. Die unte­ren Tan­näste ragen über die Stütz­mauer auf das dar­un­ter lie­gende Nach­bars­grund­stück. Das miss­fällt dem Nach­barn; er will die Äste abschnei­den. Ob der das dürfe, will der Tan­nen­be­sit­zer vom Hausverein Ost­schweiz wis­sen. Des­sen Geschäfts­lei­ter Pius Schür­mann hat sich kun­dig gemacht und erfah­ren, dass das Gesetz dies zulässt. Der Nach­bar hat das Kapprecht, das heisst, er kann die Tanne bis an die Grenze zurück­schnei­den.

Inzwi­schen hat er das Grund­stück ver­kauft. Nun ver­langt der neue Eigen­tü­mer plötz­lich, der Nach­bar müsse die ganze Tanne fäl­len, da sie störe. In sei­ner Anfrage an den Hausverein Ost­schweiz will der betrof­fene Tannen­ei­gen­tü­mer erneut wis­sen, ob ihn der Nach­bar wirk­lich dazu zwin­gen könne, und zu wes­sen Las­ten die Kos­ten der Fäl­lung gin­gen?

Auf den hal­ben Meter genau

Die Ant­wort ist laut Gesetz eigent­lich klar: Baum­un­ter­halt und ‑fäl­lung gehen zulas­ten des Grund­ei­gen­tü­mers, auf des­sen Grund­stück Bäume ste­hen. Was das Fäl­len betrifft: Laut Art. 98, Abs 4 ZGB Kt. SG beträgt der not­wen­dige Grenz­ab­stand für eine Tanne für Hoch­stamm­bäume, die nicht Obst­bäume sind, 6,0 Meter.

Der Hausverein Ost­schweiz hat Erkun­di­gun­gen ein­ge­zo­gen: Sowohl ein Jurist als auch der Baum­schutz­be­auf­tragte der Stadt St.Gallen gehen davon aus, dass ab Baum­mitte zu mes­sen ist und nicht ab Baum­rinde, die der Grenze näher liegt. Sofern die Tanne weni­ger als 6,0 Meter von der Grenze ent­fernt steht, kann des­halb der Nach­bar die Baum­fäl­lung auf dem zivil­recht­li­chen Weg erzwin­gen.

Baum­schutz als Ret­tung?

Da sich die Lie­gen­schaft mit der Tanne in einem Baum­schutz­ge­biet befin­det, stellt sich die Frage, ob der betref­fende Baum eben­falls geschützt ist und die Fäl­lung des­halb nicht erzwun­gen wer­den kann. Nach Ein­schät­zung des Baum­schutz­be­auf­trag­ten der Stadt St.Gallen besteht prak­tisch keine Chance, eine zivil­recht­lich ange­strebte Fäl­lung mit­tels Unter­schutz­stel­lung der Tanne zu ver­hin­dern, aus zwei­fa­cher Hin­sicht: – Mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit würde im vor­lie­gen­den Fall ein Fäll­ge­such bewil­ligt, weil eine Tanne in der Regel nicht schutz­wür­dig ist. – Ein Gesuch auf Unter­schutz­stel­lung der betref­fen­den Tanne hat eine äus­serst geringe Chance. Denn Vor­aus­set­zung dazu wäre, dass sie ent­we­der im Orts(schutz)bild ein cha­rak­te­ris­ti­sches, unver­zicht­ba­res Ele­ment wäre. Letz­te­res trifft auf Tan­nen in den sel­tens­ten Fäl­len zu.

Der Autor

Stefan Hartmann

Ste­fan Hart­mann
Jour­na­list BR

Kom­men­tar

Sträu­cher pflanzt man als Sicht­schutz, aber auch für Vögel und Insek­ten. Und fürs Auge: Was geht über eine schöne Fels­birne, einen Hasel­strauch oder einen Holun­der, die alle­samt früh trei­ben und blü­hen? Kon­flikte kann man von Anfang an ver­mei­den:

  1. Beim Bepflan­zen eines neuen Gar­tens sol­len die Sträu­cher 1,5 bis 2 Meter vom Zaun des Nach­barn ent­fernt ein­ge­pflanzt wer­den. Man muss sie regel­mäs­sig zurück­schnei­den. Obst­bäume, v.a. hoch­stäm­mige, gehö­ren wesent­lich wei­ter ins eigene Grund­stück hin­ein gepflanzt. Das gilt auch für (hohe) Zier­bäume wie Ahorn, Lär­che, Föhre, Birke usw.
  2. Über­nimmt man dage­gen einen bestehen­den Gar­ten mit Bäu­men und Sträu­chern, so ist ein tüch­ti­ger Schnitt ange­zeigt, vor allem bei poten­zi­el­len «Pro­blem­bäu­men». Das schafft Good­will bei den Nach­barn.

Ste­fan Hart­mann

Werbung