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Oth­mar Helb­ling steht prak­tisch täg­lich auf einer Bau­stelle. casanostra wollte vom St. Gal­ler Bau­her­ren­be­ra­ter wis­sen, wie sich Laien vor Bau­pfusch und zwei­fel­haf­ten Fir­men schüt­zen kön­nen.

Bau­her­ren sind oft uner­fah­ren und ahnungs­los in der Bau­ma­te­rie, geschweige im Umgang mit Bau­un­ter­neh­mern. Wo wer­den am meis­ten Feh­ler began­gen, wenn sie mit Bau­un­ter­neh­mern oder auch Archi­tek­ten ins Geschäft tre­ten?

Oth­mar Helb­ling: Es ist para­dox: Jeden Arti­kel, den wir im Inter­net für 20 Fran­ken kau­fen wol­len, prü­fen wir auf Herz und Nie­ren. Wir lesen Refe­ren­zen und Test­be­richte. Hal­ten wir hin­ge­gen einen Hoch­glanz­pro­spekt mit unse­rer «Traum­im­mo­bi­lie» in Hän­den, scheint sol­che Vor­sicht wie weg­ge­bla­sen.

Wie schützt sich der Bau­herr vor zwei­fel­haf­ten Ange­bo­ten?

Indem er sich zwin­gend Refe­renz­adres­sen des Bau­un­ter­neh­mers oder Inves­tors geben lässt und mit den Käu­fern spricht. Im Fall des Hau­ses in Erlins­bach (siehe Bei­trag «Mehr Schutz vor Bau­pfusch ist drin­gend nötig») scheint aller­dings auch das nichts genützt zu haben.

Was emp­fiehlt sich sonst noch?

Das Inter­net kon­sul­tie­ren. Im Han­dels­re­gis­ter kann ich erse­hen, wie alt die Firma ist oder wie sie sich in den letz­ten zwölf Mona­ten ent­wi­ckelt hat. Wurde zum Bei­spiel der Ver­wal­tungs­rat aus­ge­wech­selt oder wur­den kürz­lich neue Unter­fir­men gegrün­det? Fer­ner kann man online einen Betrei­bungs­aus­zug bestel­len. Dafür bedarf es bloss einer ein­fa­chen Begrün­dung.

Trotz­dem scheint die Ver­su­chung gross, das Haus bei einem kos­ten­güns­ti­gen Bau­un­ter­neh­mer zu bestel­len.

Ja lei­der. Denn der lässt meist Unter­fir­men bauen, die wenig Erfah­rung haben. Am Ende ist der Ärger am Pfusch gross, die Freude am Bau­werk futsch. Nicht zu reden vom Geld … Mein Rat: lie­ber eine erfah­rene Firma mit gutem Leis­tungs­aus­weis wäh­len, auch wenn sie etwas teu­rer sein mag.

Wie soll ich beim Kauf einer Stock­werk­ei­gen­tums­woh­nung vor­ge­hen, die erst auf dem Papier steht? Der Inves­tor bie­tet die Woh­nun­gen bereits zum Ver­kauf an und will eine Anzah­lung.

Schon beim Vor­ver­trag würde ich mich unbe­dingt an eine Fach­per­son wen­den. Der Hausverein kennt sol­che Adres­sen. Den Kauf­ver­trag soll man auf jeden Fall prü­fen las­sen.

Was heisst das, wenn im Ver­trag steht, dass der Gene­ral­un­ter­neh­mer die Män­gel­rechte an den Käu­fer abtritt?

Die Ein­for­de­rung für Män­gel­be­he­bun­gen wird auf den Bau­her­ren abge­scho­ben. Die­ser muss dann sel­ber her­aus­fin­den, wel­cher Hand­wer­ker für den Man­gel ver­ant­wort­lich ist. Tre­ten dann wirk­lich schwer­wie­gende Bau­pfusch-Pro­bleme – etwa ein undich­tes Flach­dach – auf, wird es schwie­rig, da ohne voll­stän­dige Bau­werks­do­ku­mente der Scha­den kaum dem Pla­ner oder dem Unter­neh­mer zuge­ord­net wer­den kann.

Stich­wort Flach­dach: Muss da nicht die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Hand­wer­kers ein­sprin­gen?

Diese wird sehr genau wis­sen wol­len, wer Schuld hat.

Und die Bau­her­ren­ver­si­che­rung?

Nein, genau sol­che Fälle sind in der Regel in der Police aus­ge­klam­mert.

Ist eigent­lich jeder Man­gel ein Bau­pfusch? Wo ver­läuft die Grenze?

Das ist schwie­rig zu sagen. Feh­ler pas­sie­ren jedem, nicht nur auf dem Bau. Der Begriff Bau­pfusch ist etwas gar pau­schal. Klare Män­gel müs­sen bereits bei der Bau­ab­nahme gerügt wer­den. Für alles andere, was in den ers­ten fünf Jah­ren zum Vor­schein kommt, gel­ten die Regeln von SIA 118. Sonst ver­jäh­ren die Ansprü­che.

Der Autor

Stefan Hartmann

Ste­fan Hart­mann
Jour­na­list BR

Aus «casanostra» 149

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