«Seit einem knappen Jahr wohnen neue Mieter in unserer frisch renovierten Mietwohnung. Nun haben sie bereits einen Schimmelpilzbefall im Schlafzimmer. Davor hatten wir 20 Jahre nie Probleme mit Schimmelpilz. Sind die Mieter Schuld? Woran kann das liegen?»
Bevor voreilige Schlüsse gezogen werden oder gar eine Schuldzuweisung vorgenommen wird, sollte die Situation fachkundig untersucht werden. Oft spielen sowohl bauliche Gegebenheiten als auch das Nutzverhalten eine Rolle. Im geschilderten Fall sollte einbezogen werden, was alles bei der Sanierung verändert wurde: Wurden neue Fenster eingebaut? Die Heizung oder Isolation verändert? Bodenbeläge oder Wände erneuert? Wurden allenfalls Räume verbunden?
So kann beispielsweise der Einbau moderner Isolationsfenster in einem älteren Gebäude ohne gleichzeitige Verbesserung der Isolation der Wände das Raumklima deutlich verändern und so zum Problem werden. Die hohe Luftdichte der neuen Fenster verhindert einen Luftzug, wodurch die Luft schneller als davor mit Feuchtigkeit angereichert wird.
In den Wintermonaten sind dann die kühlen Ecken der Aussenwände, gerade in schwach geheizten Schlafzimmern, anfällig/prädestiniert für Schimmelpilzbefall. Mit einer Messung mittels Infrarot-Thermometer oder Wärmebildkamera bei kalten Aussentemperaturen können solche Schwachstellen lokalisiert und erkannt werden.
Auf der anderen Seite müssen die BewohnerInnen und ihr Wohnverhalten beachtet werden. Eine Familie mit Kleinkindern, die oft zu Hause ist, produziert deutlich mehr Feuchtigkeit in der Wohnung, als ein Paar, bei dem beide Tätigkeiten ausser Haus nachgehen. Je nach Benutzung muss häufiger gelüftet werden, um die Feuchtigkeit abzutransportieren. Eine Langzeitmessung des Raumklimas kann über das Lüftungsverhalten der BewohnerInnen Auskunft geben.
Daniel Bottignole
Berater Casafair, sanawall GmbH – Gebäudesanierung bei Pilzbefall
Aus «casanostra» 152


