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beleuchtung nachthimmel

Es ist ein Dilemma mit der Beleuch­tung: Wenn es dun­kel ist, ver­mit­teln uns Leuch­ten im Aus­sen­raum Sicher­heit. Zu viel Licht stört jedoch den Schlaf, scha­det der Natur und bringt den Ster­nen­him­mel zum Ver­schwin­den. Hier ein paar Tipps.

Dass Städte wie Lyon, Zürich oder Luzern seit Jahr­zehn­ten eine gezielte Stra­te­gie für die Beleuch­tung des öffent­li­chen Raums ver­fol­gen, hat gute Gründe: Mit dem soge­nann­ten «Plan Lumière» möch­ten sie ihre Sehens­wür­dig­kei­ten pro­fes­sio­nell insze­nie­ren, Ener­gie spa­ren und die Licht­ver­schmut­zung reduzieren.

Auch pri­vate Hausbesitzer*innen tun gut daran, vor der Instal­la­tion neuer Leuch­ten etwas Hirn­schmalz zu inves­tie­ren. Sie beu­gen Rekla­ma­tio­nen von Nach­barn, die auf­grund von Streu­licht nicht mehr schla­fen kön­nen, vor, spa­ren Strom­kos­ten und tun der Umwelt etwas Gutes.

Nicht nur Men­schen, auch zahl­rei­che Tiere und Pflan­zen reagie­ren emp­find­lich auf Licht­emis­sio­nen. Ein paar Bei­spiele: Zug­vö­gel las­sen sich im Nebel von Kunst­licht fehl­lei­ten, frisch­ge­schlüpfte Mee­res­schild­krö­ten wan­den an Land statt ins Meer, einige Amphi­bi­en­ar­ten erschei­nen bei Beleuch­tung spä­ter aus ihrem Ver­steck und ver­lie­ren so Zeit für die Nah­rungs­su­che. Und eine Stu­die von Agro­scope und Uni­ver­si­tät Zürich hat im Früh­ling 2021 nach­ge­wie­sen, dass Stras­sen­la­ter­nen die Anzahl der Blü­ten­be­su­che von Insek­ten nicht nur nachts, son­dern auch tags­über verändern.

Weni­ger ist manch­mal mehr

Neue Tech­ni­ken und tiefe Strom­kos­ten ver­lei­ten dazu, Gebäude, Bal­kone, Gär­ten, Vor­plätze, Ein­fahr­ten oder gar Brief­käs­ten mit Leuch­ten «auf­zu­hüb­schen». Das Resul­tat: Satel­li­ten­bil­der zei­gen, dass die nächt­li­che Beleuch­tung welt­weit extrem zuge­nom­men hat. Ein Blick auf die Milch­strasse lässt sich oft nur noch in sehr länd­li­chen Gegen­den erha­schen. Der Schwei­ze­ri­sche Inge­nieur- und Archi­tek­ten­ver­ein bie­tet mit der SIA-Norm 491 zur «Ver­mei­dung unnö­ti­ger Licht­emis­sio­nen im Aus­sen­raum» eine gute Check­liste, um neue Leuch­ten und den Betrieb der Anla­gen zu planen.

Regel 1: Not­wen­dig­keit über­prü­fen
Hin­ter­fra­gen Sie Ihre Beleuch­tungs­pläne. Brau­chen Sie wirk­lich eine neue Leuchte am Haus­ein­gang oder reicht das Licht der Stras­sen­be­leuch­tung voll­auf? Falls die neue Leuchte tat­säch­lich sicher­heits­re­le­vant ist, ach­ten Sie auf Leucht­mit­tel, die wenig Ener­gie verbrauchen.

Regel 2: Nach unten leuch­ten, nie nach oben!
Wenn der Licht­strahl nach unten gerich­tet wird, ver­mei­den Sie, dass Licht in die Atmo­sphäre abstrahlt.

Regel 3: Aus­rich­ten und abschir­men
Kugel­leuch­ten sind zwar hübsch, aber pfui! Unnö­tige Licht­strah­len, die in den Nacht­him­mel, in Nach­barspar­zel­len, Natur­räume oder andere uner­wünschte Flä­chen ein­drin­gen, sind direkt an der Quelle zu ver­mei­den! Ach­ten Sie des­halb dar­auf, dass der Licht­strahl genau dort­hin gerich­tet wird, wo Sie ihn brau­chen, und dass der Rest der Leuchte abge­schirmt ist.

Regel 4: Objekte nur so hell beleuch­ten wie nötig
Wäh­len Sie die rich­tige Beleuch­tungs­stärke. Natür­lich gilt es, bei einem Gebäude die Vor­schrif­ten punkto Beleuch­tungs­stärke und ‑dichte zu beach­ten; unnö­tig über­schrei­ten muss man diese Vor­ga­ben jedoch nicht.

Regel 5: Leucht­dauer zeit­lich begren­zen
Hand aufs Herz: Brennt in Ihrem Trep­pen­haus oder am Ein­gangs­tor zum Gar­ten die ganze Nacht das Licht? Zeit­schalt­uh­ren und Bewe­gungs­mel­der spa­ren Strom und för­dern die Nachtruhe.

Aus «casanostra» 163

Cover von casanostra 163 | November 2021

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Die Autorin

Mirella Wepf
Mirella Wepf
Journalistin

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SIA-Norm 491

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