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Bauen mit Holz – tra­di­tio­nell und hochmodern

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Mi, 22.09.2021

Dank digi­ta­ler Pla­nungs- und Ver­ar­bei­tungs­tech­ni­ken hat sich der Holz­bau in letz­ter Zeit stark ent­wi­ckelt. Der natür­li­che Bau­stoff schont das Klima und eig­net sich auf­grund sei­nes leich­ten Gewichts bes­tens für Auf­sto­ckun­gen oder vor­ge­fer­tigte Modul­bau­ten. Seit rund zehn Jah­ren ent­ste­hen auch grosse Wohn­über­bau­un­gen aus Holz.

In Win­ter­thur, auf dem Areal der ehe­ma­li­gen Loko­mo­tiv­fa­brik, ist soeben ein impo­san­tes Holz­haus fer­tig gewor­den. Das «Kro­ko­dil» – benannt nach einer der bekann­tes­ten Schwei­zer Loko­mo­ti­ven – ist eine Block­rand­be­bau­ung, umfasst sechs bis acht Stock­werke und rund 250 Woh­nun­gen. Noch sel­ten wurde hier­zu­lande in einem ein­zi­gen Haus der­art viel Holz ver­baut.

In Zug plant der Elek­tro­ge­rä­te­her­stel­ler V‑Zug einen wei­te­ren Rekord­bau aus Holz. «Pro­jekt Pi» soll künf­tig unter ande­rem bezahl­ba­ren Wohn­raum für V‑Zug-Mit­ar­bei­tende bie­ten – im Zen­tral­schwei­zer Steu­er­pa­ra­dies für ein­fa­che Leute ein rares Gut. Mit 28 Stock­wer­ken und 80 Metern Höhe würde Pi zum höchs­ten Holz­hoch­haus der Schweiz. Aktu­ell ste­hen die höchs­ten Holz­bau­ten im zuge­ri­schen Rot­kreuz: Das 36 Meter hohe Büro­ge­bäude «Suur­stoffi 22» und der 60 Meter hohe Turm «Arbo» der Hoch­schule Luzern.

Aber Holz brennt doch?

Vor weni­gen Jah­ren hät­ten sol­che Gebäude noch gegen die Bau­nor­men ver­stos­sen: Bis Ende 2004 waren hier­zu­lande nur zwei­stö­ckige Bau­ten aus Holz erlaubt. Dank der Revi­sion der Brand­schutz­vor­schrif­ten der Ver­ei­ni­gung Kan­to­na­ler Feu­er­ver­si­che­run­gen hat sich das geän­dert. Heute sind brand­schutz­tech­nisch robuste, mit nicht­brenn­ba­ren Ver­klei­dun­gen geschützte Holz­bau­teile ande­ren Bau­wei­sen gleich­ge­stellt. Auch die Nut­zung von Holz­ge­bäu­den ist nicht mehr ein­ge­schränkt. Bis zu einer Gesamt­höhe von 30 Metern dür­fen heute Wohn‑, Büro- und Schul­häu­ser, Indus­trie- und Gewer­be­bau­ten, Hotels und Ver­kaufs­ge­schäfte in Holz­bau rea­li­siert wer­den. Selbst Hoch­häu­ser, die über die­ses Mass hin­aus­ge­hen, erhal­ten unter bestimm­ten Rah­men­be­din­gun­gen grü­nes Licht.

Um dies zu errei­chen, hat die Holz­bran­che viel inves­tiert und in jahr­zehn­te­lan­ger For­schungs­ar­beit sichere Brand­schutz­lö­sun­gen ent­wi­ckelt – unter ande­rem in Koope­ra­tion mit der Ver­ei­ni­gung Kan­to­na­ler Feu­er­ver­si­che­run­gen VKF, dem Schwei­ze­ri­schen Inge­nieur- und Archi­tek­ten­ver­ein SIA, der Mate­ri­al­for­schungs­an­stalt Empa und der Ber­ner Fach­hoch­schule. Michael Meu­ter, Medi­en­spre­cher von Lignum, dem Dach­ver­band der Schwei­zer Holz­wirt­schaft, nennt ein Bei­spiel: «Hori­zon­tale Schutz­mass­nah­men wie Schür­zen in der Fas­sade ver­hin­dern, dass ein Feuer sich über meh­rere Geschosse aus­brei­tet.»

Ein Blick in die Schu­lungs­un­ter­la­gen von Feu­er­wehr­mann­schaf­ten zeigt aus­ser­dem, dass auch andere Bau­stoffe im Brand­fall Schwä­chen auf­wei­sen: Kunst­stoffe – etwa Boden­be­läge oder Dämm­ma­te­rial – sind leicht entzündlich.Vermeintlich sta­bile Metalle wie Stahl oder Guss­ei­sen lei­ten Wärme wei­ter und kön­nen so einen Brand auf andere Bau­teile über­tra­gen. Aus­ser­dem ver­lie­ren sie bei hohen Tem­pe­ra­tu­ren ihre Trag­fä­hig­keit.

Holz­bal­ken behal­ten ihre Sta­bi­li­tät dage­gen sehr lange. Laut Lignum hat dies fol­gen­den Grund: «Selbst tro­cke­nes Holz ent­hält noch Was­ser, das zuerst ver­damp­fen muss.» Die Ver­bren­nung beginne erst bei rund 270 Grad. «Auch wenn Holz in einem 1000 Grad heis­sen Feuer brennt, bleibt es schon einen Zen­ti­me­ter unter der ver­kohl­ten Ober­flä­che unbe­schä­digt und der Rest­quer­schnitt trag­fä­hig. Stahl ver­liert hin­ge­gen schon ab 450 Grad seine Trag­fä­hig­keit, und die Druck­fes­tig­keit von Beton redu­ziert sich bei 650 Grad um zwei Drit­tel.»

Boom bei Genos­sen­schaf­ten und öffent­li­chen Bau­ten

Wir­ken sich die Locke­run­gen der Vor­schrif­ten auf den Holz­ab­satz in der Bau­bran­che aus? Das Bun­des­amt für Umwelt (BAFU) hat die Ber­ner Fach­hoch­schule BFH beauf­tragt, den Hol­zend­ver­brauch über meh­rere Jahre hin­weg aus­zu­wer­ten. Ihr Befund: Im Ver­gleich zum Jahr 2012 gab es bis 2018 für die Berei­che Bau­we­sen, Möbel und Innen­aus­bau, Holz im Aus­sen­be­reich, Ver­pa­ckun­gen und Holz­wa­ren einen Zuwachs von rund 10 Pro­zent. Beson­ders deut­lich zeigte sich das Wachs­tum bei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern (plus 10 Pro­zent) und öffent­li­chen Gebäu­den (plus 72,4 Pro­zent). Den­noch: Der Markt­an­teil von Holz am gesam­ten Schwei­zer Bau­ge­sche­hen erreicht erst beschei­dene 15 Pro­zent. Bis­lang sind es vor­nehm­lich Bau­herr­schaf­ten mit einer star­ken Aus­rich­tung auf Nach­hal­tig­keit, die auf Holz set­zen.

«Neben der öffent­li­chen Hand haben vor allem Genos­sen­schaf­ten die neuen Mög­lich­kei­ten genutzt», erklärt Michael Meu­ter. «Sie zei­gen hohes Inter­esse an nach­hal­ti­gem Bauen und ver­su­chen mit Holz­bau­ten gezielt einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz zu errei­chen.» Andreas Wirz, Archi­tekt und Vor­stands­mit­glied der Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten Zürich, bestä­tigt dies: «Genos­sen­schaf­ten waren schon immer sehr inno­va­tiv. Und sie pla­nen für Genera­tio­nen, nicht für den kurz­fris­ti­gen Gewinn.» Er war mit sei­ner Firma Archi­pel sowohl beim Pro­jekt Kro­ko­dil in Win­ter­thur als auch beim Holz­hoch­haus Pi betei­ligt.

Holz­bau­ten sor­gen für gutes Klima

Theo­re­tisch spei­chert jeder Kubik­me­ter Holz etwa eine Tonne CO2 und ent­las­tet damit die Atmo­sphäre. Als Ersatz für ener­gie­in­ten­sive Bau­stoffe spart er gleich noch ein­mal etwa eine Tonne CO2. Laut Wirz ist es jedoch nicht ganz ein­fach, die Kli­ma­schutz­wir­kung eines Holz­hau­ses genau zu berech­nen und zu dekla­rie­ren. Das in Bau­holz gespei­cherte CO2 werde heute in den offi­zi­el­len Öko­bi­lan­zen des Bau­be­reichs (KBOB) noch nicht ange­rech­net. «Wahr­schein­lich schaf­fen wir das erst, wenn wir garan­tie­ren kön­nen, dass die Holz­bal­ken nach dem Abbruch eines Hau­ses nicht ver­feu­ert, son­dern in Salat­schüs­seln umge­schnitzt wer­den», illus­triert er das Dilemma schmun­zelnd. Aber eines sei klar: «Wenn wir jetzt CO2 in einem Gebäude für 70 oder 100 Jahre bin­den, gewin­nen wir zumin­dest Zeit, um andere Kli­ma­schutz­mass­nah­men vor­an­zu­trei­ben.»

Ganz der Nach­hal­tig­keit ver­pflich­tet, nimmt Wirz jedoch auch den Bau­stoff Holz gründ­lich unter die Lupe: «Lange Trans­port­wege beein­träch­ti­gen die gute Öko­bi­lanz.» Auch beim Ener­gie­ver­brauch der Holz­trock­nungs­an­la­gen gebe es noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­zial. Einige wür­den nach wie vor mit fos­si­len Brenn­stof­fen betrie­ben. «Doch erste Fir­men haben nun mit der Umstel­lung begon­nen.» Auch den hohen Lei­m­an­teil in man­chen Holz­bau­stof­fen gelte es kri­tisch zu betrach­ten, erklärt Wirz. «Da gibt es in Sachen Öko­lo­gie sicher­lich noch etwas Luft nach oben.»

Ein Fan von Holz ist er trotz­dem: «Bau­stel­len von Holz­häu­sern sind ein­fach schö­ner.» Sie seien weni­ger feucht und kalt. Von den guten Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten des Hol­zes pro­fi­tie­ren auch die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer: «In einem Holz­neu­bau herrscht von Anfang an ein ange­neh­mes Raum­klima», erklärt Wirz. Holz riecht gut, kann an schwü­len Tagen Luft­feuch­tig­keit auf­neh­men und an tro­cke­nen wie­der abge­ben. Ein wei­te­rer Vor­teil des Bau­ens mit Holz: «Der ganze Bau­pro­zess und das End­pro­dukt las­sen sich extrem gut pla­nen», erklärt Wirz. «Ein­zig beim Tritt­schall darf man sich kei­nen Schnit­zer erlau­ben, in Holz­bau­ten lässt sich das im Nach­hin­ein schlecht aus­bü­geln.»

Digi­ta­li­sie­rung in der Holz­bran­che

Dank digi­ta­ler Pla­nungs- und Ver­ar­bei­tungs­tech­ni­ken hat sich der Holz­bau in letz­ter Zeit stark ent­wi­ckelt. «Die Holz­bran­che hat den Trend zu com­pu­ter­ge­stütz­tem Design (CAD) schon in den 80er-Jah­ren auf­ge­nom­men», sagt Meu­ter. «Ein Holz­bauer ist sich heute gewohnt, ein Gebäude als digi­ta­les 3‑D-Modell zu pla­nen.» Com­pu­ter­ge­steu­erte Frä­sen bear­bei­ten Holz heute schnel­ler und prä­zi­ser als jeder Mensch. Zudem sind sie imstande, sehr kom­plexe For­men her­zu­stel­len. Ein wei­te­res Plus: Holz ist rela­tiv leicht, des­halb las­sen sich grosse Bau­teile vor­fer­ti­gen und auf die Bau­stelle trans­por­tie­ren – also ganze Wände mit bereits ein­ge­bau­ten Fens­tern, fix­fer­tige Nass­zel­len oder Ele­mente für eine kunst­volle Kup­pel­de­cke. Auf­grund des leich­ten Gewichts eig­net sich Holz auch für Auf­sto­ckun­gen oder als Neu­bau auf einem alten Fun­da­ment.

Hun­dert Mal das Glei­che

Beson­ders inter­es­sant wird die Sys­tem­bau­weise bei modu­la­ren Bau­ten, bei denen ganze Raum­zel­len für Hotels, Stu­den­ten­woh­nun­gen oder Schu­len vor­ge­fer­tigt wer­den. Das ver­güns­tigt die Pro­duk­tion, schützt beim Bau vor Wet­ter­ka­prio­len und eli­mi­niert die kos­ten­trei­bende kurz­fris­tige Pla­nung auf der Bau­stelle. Gelun­gene Bei­spiele dafür sind das Sport­ho­tel Bever Lodge im Enga­din, die tem­po­rä­ren Schul­pa­vil­lons in der Stadt Zürich oder die Sied­lung Fogo für Stu­die­rende und Asyl­su­chende beim Bahn­hof Zürich-Alt­stet­ten. «Auch Leute, die ein indi­vi­du­el­les Ein­fa­mi­li­en­haus in Holz bauen möch­ten, schauen sich am bes­ten nach Anbie­tern von Sys­tem­bau­ten um», sagt Wirz. «Obwohl dabei vie­les vom Profi her­ge­stellt wird, kann man als Bau­herr­schaft nach Wunsch gewisse Arbei­ten auch sel­ber aus­füh­ren.»

Preis­lich seien Holz­häu­ser laut sei­ner Erfah­rung mit grös­se­ren Sied­lun­gen etwa drei bis fünf Pro­zent teu­rer. Dafür erhalte man eine gute Wohn­qua­li­tät. Michael Meu­ter von Lignum schätzt dies etwas opti­mis­ti­scher ein. Er ver­weist auf die druck­fri­sche Stu­die «Holz­bau­kenn­zah­len für Inves­to­ren». Das Pla­nungs- und Bera­tungs­büro Wüest Part­ner hat im Auf­trag des Bun­des­am­tes für Umwelt acht grosse Holz­bau­pro­jekte der letz­ten Jahre aus­ge­wer­tet. Fazit: Der öko­lo­gi­sche Lea­der Holz­bau kann auch bei Inves­to­ren­pro­jek­ten öko­no­misch mit­hal­ten, auch wenn das über­prüfte Sam­ple noch zu klein ist, um alle Details zu klä­ren. Meu­ter ergänzt: Ein Ein­fa­mi­li­en­haus sei auf jeden Fall preis­lich gleich­auf mit einem Bau der­sel­ben Klasse in Mas­siv­bau­weise.

Sicher ist: Auch Casafair-Mit­glie­der sind begeis­tert von Holz­häu­sern. Auf einen Auf­ruf im letz­ten Casanostra, der Redak­tion tolle Holz­bau­ten zu mel­den, haben zahl­rei­che Mit­glie­der reagiert, die sel­ber mit Holz gebaut haben. Einige die­ser Bijoux sind nun im Heft abge­bil­det und ani­mie­ren viel­leicht zum Nach­ah­men. Spe­zia­li­sierte Fach­leute und Fir­men fin­den sich im Mit­glie­der­ver­zeich­nis des Ver­bands «Holz­bau Schweiz». «Betriebe, die mit ‹Holz­bau plus› aus­ge­zeich­net sind, ver­fü­gen über eine exzel­lente Leis­tungs­kul­tur auf der Basis des Gesamt­ar­beits­ver­trags Holz­bau», erklärt Michael Meu­ter. Zusätz­lich rät er, jeweils die Web­sei­ten der Betriebe zu kon­sul­tie­ren und Refe­renz­ob­jekte zu besu­chen.

Wer für sei­nen Innen­aus­bau einen guten Betrieb sucht, fragt beim Ver­band Schwei­ze­ri­scher Schrei­ner­meis­ter und Möbel­fa­bri­kan­ten nach. Und last but not least sind auch die Bera­te­rin­nen und Bera­ter von Casafair immer eine gute Anlauf­stelle für Tipps und Adress­emp­feh­lun­gen

Die Autorin

Mirella Wepf
Mirella Wepf
Journalistin

Aus «casanostra» 162

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