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Photovoltaikanlage selbst bauen

Die erste Selbstbaugenossenschaft für Photovoltaikanlagen wurde 2015 vom jungen Ingenieur Syril Eberhart aus Spiez gegründet. Er realisierte im Eigenbau eine Solaranlage auf dem Dach seines Elternhauses. Weshalb sollen das eigentlich nicht auch andere tun können?

Kurzerhand gründete Syril Eberhart mit einigen Gleichgesinnten die erste Genossenschaft zum Selbstbau von Photovoltaikanlagen, die Energiewendegenossenschaft Bern. Auf diese Weise sollen auch andere, die eine PV-Anlage selber bauen möchten, gezielte Unterstützung erhalten. Heute gibt es ein schweizweites Netzwerk von Selbstbaugenossenschaften.
Und so funktioniert die Idee: Interessierte kontaktieren die nächstliegende Genossenschaft. Eine Spezialistin oder ein Spezialist der Genossenschaft kommt dann auf Besuch und plant gemeinsam mit dem Ratsuchenden die auf ihn zugeschnittene Photovoltaikanlage. Ob Ziegeldach, Flachdach oder Carport – alle üblichen Dacharten eignen sich. Und auch für Stockwerkeigentum oder Gewerbe eignet sich der Selbstbau.

Kommt es zur Ausführung des Projekts, so wird der oder die Interessierte ein Mitglied der Genossenschaft. Diese kauft das Material zu günstigen Konditionen ein und lässt es auf die Baustelle liefern. Die Montagearbeiten erfolgen, unter Anleitung durch einen Bauleiter oder eine Bauleiterin der Genossenschaft, durch den Bauherren selbst und durch weitere Selbstbauende der Genossenschaft. Für die Arbeiten, die nicht selbst ausgeführt werden können, insbesondere die Installation des Gerüsts und die Elektroarbeiten, werden lokale Firmen hinzugezogen. Nach zwei bis drei Tagen Bauzeit ist die Anlage fertiggestellt.

Insgesamt muss der oder die SelbstbauerIn mit fünf bis zehn Tagen unbezahlter Arbeit rechnen. Diese Arbeit leistet sie sowohl auf ihrem eigenen Dach als auch auf den Dächern anderer Genossenschafter. Ein Stundentauschsystem stellt sicher, dass jede so viele Stunden bei anderen mitarbeitet, wie sie selbst von anderen Mitbauern Unterstützung erhalten hat.

Stolz auf die Eigenleistung

Dank der eignen Arbeitsleistung kommt die Selbstbauanlage einiges günstiger als eine schlüsselfertige Anlage. Dafür muss die SelbstbauerIn einige Tage ihrer Freizeit investieren. Das Bauprojekt ist jedoch spannend und abwechslungsreich. Darüber hinaus gewinnt man beim Bau auch gute Kenntnisse über das Funktionieren seiner Anlage, was sich im späteren Betrieb auszahlt. Und nicht zuletzt ist man am Schluss speziell stolz darauf, mit seinen eigenen Händen einen Beitrag zur Energiewende geleistet zu haben. Spezielle Voraussetzungen braucht es keine, bloss Freude an praktischer Arbeit im und ums Haus.

Angesichts der Attraktivität und Einfachheit des Systems machte die Bewegung nicht im Berner Oberland Halt. Aus dem Anfang der Energiewendegenossenschaft in Spiez ist unterdessen ein schweizweites Netzwerk von einem Dutzend Selbstbaugenossenschaften entstanden, welche zusammen bereits mehr als 500 Photovoltaikanlagen mit 6 MW Gesamtleistung realisiert haben. Insgesamt sind 11 regionale Gruppen tätig, welche fast die ganze Schweiz abdecken. Ein Selbstbauhandbuch zum Download erlaubt einen ersten Einblick, und ein Web-Planungstool eine erste grobe Kosten- und Zeitschätzung.

Dies alles steht zur Verfügung auf der gemeinsamen Website der Schweizer Selbstbaugenossenschaften selbstbau.ch. Was warten Sie also noch: legen Sie selbst Hand an bei der Energiewende auf Ihrem Hausdach!

Der Autor

Stefan Hartmann

Stefan Hartmann
Journalist BR

Aus «casanostra» 158

casanostra 158 - Dezember 2020

Selbstbau.ch ist eine Initiative der Solarselbstbaugenossenschaften in der Schweiz, unterstützt durch den Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE



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