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46 Bewe­gun­gen, Orga­ni­sa­tio­nen und Par­teien – dar­un­ter auch Casafair – for­dern den Bun­des­rat in einem Offe­nen Brief auf, den Luft­ver­kehr gegen­über ande­ren Wirt­schafts­be­rei­chen nicht zu pri­vi­le­gie­ren. Jeg­li­che staat­li­che Unter­stüt­zung muss die Arbeit­neh­men­den schüt­zen und an Bedin­gun­gen mit kla­ren Kli­ma­zie­len geknüpft sein.

Offe­ner Brief an den Bun­des­rat

Kein Son­der­sta­tus für den Flug­ver­kehr!

Sehr geehrte Bun­des­rä­tin­nen und Bun­des­räte

Die Schweiz steht wegen der Corona-Krise still und die Flug­zeuge blei­ben weit­ge­hend am Boden. Flug­ge­sell­schaf­ten wie die Swiss und Easy­Jet bit­ten des­halb um Ret­tung durch Steu­er­gel­der. Jedoch geniesst der inter­na­tio­nale Flug­ver­kehr im Ver­gleich zu ande­ren Sek­to­ren bereits sehr hohe Steu­er­pri­vi­le­gien, da er weder Treib­stoff­steuer noch Mehr­wert­steuer zahlt. Dies ist einer der Gründe, warum z.B. die Swiss in den letz­ten 15 Jah­ren 5 Mia. Fran­ken Gewinn erzie­len konnte. Trotz­dem ver­langt die Swiss jetzt Unter­stüt­zung vom Bund.

Der Luft­ver­kehr ist schon heute für 19% des men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­ef­fekts in der Schweiz ver­ant­wort­lich. Gemäss prä-Corona Wachs­tums­pro­gno­sen wird die Luft­fahrt bis 2030 der grösste Trei­ber des Kli­ma­ef­fekts in der Schweiz sein, wenn keine Mass­nah­men ergrif­fen wer­den. Die Luft­fahrt­in­dus­trie hat sich in den letz­ten Jah­ren nach­drück­lich gewehrt, einen sinn­vol­len Bei­trag zu den glo­ba­len Emis­si­ons­re­duk­ti­ons­zie­len zu leis­ten. Denn dies würde Mass­nah­men zur deut­li­chen Reduk­tion des Umfangs der Luft­fahrt erfor­dern.

Ret­tungs­ak­tio­nen dür­fen kei­nes­falls dazu füh­ren, ein wei­te­res unge­brems­tes Wachs­tum des Flug­ver­kehrs zu unter­stüt­zen. Statt­des­sen muss die Flug­bran­che auf ein kli­ma­ver­träg­li­ches Niveau zurück­ge­baut wer­den. Des­halb for­dern wir Fol­gen­des:

  • Keine neue Bevor­zu­gung der Flug­bran­che: Kul­tur­schaf­fende, Selb­stän­dige, KMUs – alle sind von der Corona-Krise betrof­fen und erhal­ten bis­her maxi­mal Staats­hilfe in Form von Lohn­fort­zah­lung oder Über­brü­ckungs­kre­di­ten. Der Luft­ver­kehr, der von der Kero­sin- und Mehr­wert­steuer befreit ist, darf keine neue Vor­zugs­be­hand­lung gegen­über ande­ren Wirt­schafts­be­rei­chen erhal­ten. Jeg­li­che staat­li­che Unter­stüt­zung sollte den Schutz der Arbeit­neh­men­den und des Kli­mas in den Vor­der­grund stel­len und nicht dazu ver­wen­det wer­den, das Wachs­tum der Luft­fahrt zu för­dern. Da der Flug­ver­kehr enorm kli­ma­schäd­lich ist, muss staat­li­che Hilfe für die Luft­fahrt an wirk­same und ver­pflich­tende kli­ma­po­li­ti­sche Bedin­gun­gen geknüpft wer­den:
  • Reduk­tion für den Kli­ma­schutz: Der Flug­ver­kehr hat sich in den letz­ten 20 Jah­ren ver­dop­pelt. Damit Netto-Null-CO2 und somit das 1.5 Grad-Ziel erreicht wer­den kön­nen, braucht es umge­hend eine mas­sive Reduk­tion der Treib­haus­gas­emis­sio­nen aus dem Flug­ver­kehr. Die Emis­si­ons­re­duk­tio­nen müs­sen direkt im Luft­fahrt­sek­tor erfol­gen und dür­fen nicht auf Kom­pen­sa­ti­ons­sys­te­men, dem Han­del mit Zer­ti­fi­ka­ten oder auf Mass­nah­men mit nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt und die Men­schen­rechte beru­hen.
  • Ein­füh­rung einer Kero­sin­steuer: Der Flug­ver­kehr ver­ur­sacht in der Schweiz jähr­lich externe Kos­ten in Form von Klima- und Gesund­heits­schä­den von über 1 Mia. Fran­ken, die zur­zeit von der Bevöl­ke­rung getra­gen wer­den. Zusätz­lich pro­fi­tiert die Luft­fahrt von der Steu­er­be­frei­ung für Kero­sin, wodurch der Schwei­zer Staats­kasse jähr­lich rund 1.7 Mia. Fran­ken ent­ge­hen. Wer in schwie­ri­gen Zei­ten den Staat um Hilfe bit­tet, sollte in guten Zei­ten auch Steu­ern zah­len. Der Bun­des­rat soll in Zusam­men­ar­beit mit den ande­ren Staa­ten die Pri­vi­le­gien für die Flug­bran­che abschaf­fen und umge­hend eine Kero­sin­steuer ein­füh­ren.
  • Ver­la­ge­rung auf kli­ma­freund­li­chere Trans­port­mit­tel: Rund 80% der Flug­des­ti­na­tio­nen aus der Schweiz lie­gen in Europa und kön­nen mit dem kli­ma­freund­li­che­ren Zug erreicht wer­den. Staats­gel­der sol­len des­halb auch in den Aus­bau des inter­na­tio­na­len Bahn- und Nacht­zug­ver­kehrs inves­tiert wer­den.

Die unter­zeich­nen­den Bewe­gun­gen, Orga­ni­sa­tio­nen und Par­teien for­dern Sie, die Bun­des­rä­tin­nen und Bun­des­räte, auf, die oben genann­ten Mass­nah­men zu unter­stüt­zen, vor­an­zu­trei­ben und aktiv zu kom­mu­ni­zie­ren.

Freund­li­che Grüsse

ACG Asso­cia­tion Cli­mat Genève, AEFU Ärz­tin­nen und Ärzte für Umwelt­schutz, AgF Aktion gegen Flug­lärm Alten­rhein, ARAG Asso­cia­tion des River­ains de l’Aé­ro­port de Genève, ATCR-AIG Asso­cia­tion trans­fron­ta­lière des com­mu­nes river­ai­nes de l’aéroport inter­na­tio­nale de Genève, CARPE Coor­di­na­tion régio­nale pour un aéro­port urbain, respec­tueux de la popu­la­tion et de l’environnement, Casafair, Christ­li­che Klima Aktion, DVFS Dach­ver­band Flug­lärm­schutz, Eltern fürs Klima, Ensem­ble à Gau­che, Extinc­tion Rebel­lion Schweiz, Fair in Air, FLS Flug­lärmso­li­da­ri­tät, Flug­streik, Fos­sil Free, Green­peace Schweiz, Grüne Schweiz, Junge Evan­ge­li­sche Volks­par­tei, Junge Grüne, Jungsozialist*innen JUSO Schweiz, Klima-Alli­anz Schweiz, Klima-Gross­el­tern Schweiz, Kli­ma­Se­nio­rin­nen, Kli­ma­st­reik Schweiz, Kli­ma­stadt Zürich, KLUG Koali­tion Luft­ver­kehr Umwelt und Gesund­heit, Moun­tain Wil­der­ness Schweiz, myblue­pla­net, Noe21, Öko­stadt Basel, oeku Kir­che und Umwelt, Pro Natura, Pro­tect Our Win­ters Schweiz, Schutz­ver­band der Bevöl­ke­rung um den Flug­ha­fen Basel Mül­hau­sen, SES Schwei­ze­ri­sche Ener­gie-Stif­tung, SP Schweiz, SSF Schwei­ze­ri­scher Schutz­ver­band gegen Flug­e­mis­sio­nen, Stif­tung gegen Flug­lärm, umver­kehR, VCS Ver­kehrs-Club der Schweiz, VeFeF Ver­ei­ni­gung für erträg­li­chen Flug­ver­kehr, VFSN Ver­ein Flug­schneise Süd – NEIN, VgF Ver­ei­ni­gung gegen schäd­li­che Aus­wir­kun­gen des Flug­ver­kehrs, Wettstein21, WWF Schweiz



Bildquelle

  • Aerial View Of Air­port: Chalabala/iStock

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