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Der Schwei­zer Woh­nungs­markt wird zuneh­mend zu einem Para­do­xon: Rekord­tiefe Hypo­the­kar­zin­sen, kaum Teue­rung – und den­noch stei­gen die Mie­ten immer wei­ter. Vor allem die Men­schen mit klei­ne­ren Ein­kom­men haben zuneh­mend Mühe eine bezahl­bare Woh­nung zu fin­den. Sie blät­tern im Schnitt 36% ihres Ein­kom­mens für die Miete hin. Viele Leute wür­den des­halb gerne eine eigene Woh­nung kau­fen, aber die Preise auf dem Markt sind eben­falls enorm ange­stie­gen.

Bezahl­ba­rer Wohn­raum heisst nicht bloss ange­mes­sene Miet­zin­sen, son­dern auch ver­nünf­tige Preise für Wohn­ei­gen­tum. Wegen des über­hitz­ten Woh­nungs­markts kön­nen sich immer weni­ger Men­schen selbst­be­wohn­tes Wohn­ei­gen­tum leis­ten. Die Wohn­ei­gen­tums­quote in der Schweiz liegt daher auch nur bei 38%. Beson­ders für die jün­gere Men­schen ist Wohn­ei­gen­tum immer weni­ger erschwing­lich. Heute sind es gerade ein­mal 10 Pro­zent der Mie­ten­den, die sich selbst­be­wohn­tes Eigen­tum leis­ten könn­ten, frü­her traf dies auf über 40 Pro­zent zu.

Das kommt daher, dass Boden und Lie­gen­schaf­ten zu den begehr­tes­ten Spe­ku­la­ti­ons- und Ren­di­te­ma­xi­mie­rungs-Objek­ten gewor­den sind.

Die­sem Wett­lauf der sich stän­dig dre­hen­den Preis­spi­rale will die Volks­in­itia­tive für die För­de­rung des gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­baus etwas ent­ge­gen­set­zen. Künf­tig sol­len min­des­tens zehn Pro­zent der neu gebau­ten Woh­nun­gen im Besitz von Trä­gern und Orga­ni­sa­tio­nen des gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­baus sein. Bund, Kan­tone und Gemein­den sol­len geeig­nete Grund­stü­cke – auch sol­che im Besitz bun­des­na­her Betriebe – mit einem ent­spre­chen­den Vor­kaufs­recht bele­gen und damit Insti­tu­tio­nen des gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­baus zu Boden und Lie­gen­schaf­ten zu erschwing­li­che­ren Prei­sen ver­hel­fen. Heute sind gera­de­mal fünf Pro­zent der Miet­woh­nun­gen gemein­nüt­zig. Wenn künf­tig jede 10. neu gebaute Woh­nung eine gemein­nüt­zige ist, dann bleibt das ein sehr mode­ra­ter Ansatz und ist eine gute und abso­lut not­wen­dige Ergän­zung zu den übri­gen Wohn­an­ge­bo­ten.

Casafair stellt sich auf den Stand­punkt, dass ein gestei­ger­tes Ange­bot von gemein­nüt­zi­gen Miet­woh­nun­gen nicht nur den direkt betei­lig­ten Mie­te­rin­nen und Mie­tern etwas nützt, son­dern dass dies auch einen dämp­fen­den Effekt auf die übri­gen Woh­nungs­preise haben kann. Und da bleibt zu hof­fen, dass dies auch die stei­gen­den Gewinn­erwar­tun­gen bei der Ver­mie­tung oder beim Lie­gen­schafts­ver­kauf bremst und damit die Preis­spi­rale gebro­chen wird. Casafair plä­diert für faire Mie­ten statt für grosse Gewinne. Es ist legi­tim, mit dem Wohn­ei­gen­tum eine Ren­dite zu erzie­len. Es ist aber ver­ant­wor­tungs­los, damit eine über­ris­sene Ren­dite zu erwirt­schaf­ten. Auch Ver­mie­te­rIn­nen müs­sen Ver­ant­wor­tung über­neh­men und sich gegen die Preis­trei­be­rei bei den Mie­ten ein­set­zen; immer­hin ist Woh­nen ein Grund­be­dürf­nis, ein Ver­fas­sungs­auf­trag und damit auch ein Men­schen­recht.

Wir von Casafair sehen im gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau keine Bedro­hung, son­dern eine not­wen­dige Ergän­zung, weil der Immo­bi­li­en­markt ver­rückt spielt. Wir sagen des­halb klar JA zur Eid­ge­nös­si­schen Volks­in­itia­tive «Mehr bezahl­bare Woh­nun­gen» am 9. Februar 2020.

Clau­dia Friedl

Prä­si­den­tin Casafair Schweiz, Natio­nal­rä­tin SP/SG



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