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Viele Men­schen in der Schweiz fin­den keine bezahl­bare Woh­nung. Schuld an den seit Jah­ren stei­gen­den Miet­prei­sen sind Immo­bi­li­en­fir­men, die immer höhe­ren Ren­di­ten nach­ja­gen. Die Initia­tive «Mehr bezahl­bare Woh­nun­gen», die am 9. Februar an die Urne kommt, sorgt mit der För­de­rung des gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­baus dafür, dass künf­tig mehr Woh­nun­gen der Spe­ku­la­tion ent­zo­gen sind. Eine breite Alli­anz legte heute an einer gemein­sa­men Medi­en­kon­fe­renz dar, wes­halb es am 9. Februar ein deut­li­ches Ja zu mehr bezahl­ba­ren Woh­nun­gen braucht.

«Wir als Haus­ei­gen­tü­me­rIn­nen sehen im gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau keine Bedro­hung, son­dern eine not­wen­dige Ergän­zung», erklärte Casafair-Prä­si­den­tin Clau­dia Friedl. «Denn wegen des über­hitz­ten Woh­nungs­markts kön­nen sich immer weni­ger Men­schen selbst­be­wohn­tes Wohn­ei­gen­tum leis­ten. Das kommt daher, dass Boden und Lie­gen­schaf­ten zu den begehr­tes­ten Spe­ku­la­ti­ons- und Ren­di­te­ma­xi­mie­rungs-Objek­ten gewor­den sind.»

«Diese Abstim­mung ist weg­wei­send für die Zukunft der Schwei­zer Wohn­po­li­tik», erklärte Carlo Som­ma­ruga, Prä­si­dent des Mie­te­rin­nen- und Mie­ter­ver­bands Schweiz an der Medi­en­kon­fe­renz. Seit 2005 sind die Mie­ten um fast 19 Pro­zent ange­stie­gen. Ent­ge­gen ver­schie­de­ner Mel­dun­gen gibt es in der Schweiz bis heute keine Ent­span­nung bei den Mie­ten. «Schuld daran sind die Immo­bi­lien-Spe­ku­lan­ten, wel­che ohne Skru­pel immer höhere Ren­di­ten erzie­len. Die Initia­tive will diese fatale Ent­wick­lung stop­pen, indem der gemein­nüt­zige Woh­nungs­bau geför­dert wird».

Gemäss Louis Schel­bert, Prä­si­dent der Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten Schweiz, löst der Markt die Pro­bleme nicht: «Im Gegen­teil, er ist Teil des Pro­blems. Eine Lösung bie­tet hin­ge­gen die Initia­tive. Denn Gemein­nüt­zig­keit heisst: nicht gewinn­stre­big.» Dank der Kos­ten­miete sind gemein­nüt­zige Woh­nun­gen im Schnitt rund 20 Pro­zent güns­ti­ger als kon­ven­tio­nelle Miet­woh­nun­gen. Die güns­ti­gen Genos­sen­schafts­woh­nun­gen dämp­fen zudem die Miet­preis­ent­wick­lung in ihrer Umge­bung.

«Viele Haus­halts­bud­gets sind durch die hohen Mie­ten stark belas­tet. Die Miete ist mit Abstand der grösste Aus­ga­ben­pos­ten», sagte Marina Carobbio, Tes­si­ner Stän­de­rä­tin für die SP Schweiz. Beson­ders betrof­fen sind Fami­lien, Senio­rIn­nen, junge Men­schen und sol­che mit einem tie­fen oder mitt­le­ren Ein­kom­men. Dank der Initia­tive sol­len mehr bezahl­bare Woh­nun­gen ent­ste­hen, gerade auch für den Mit­tel­stand.

Die Initia­tive ist auch im Inter­esse des Umwelt­schut­zes. Denn Bewoh­ne­rIn­nen von Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten ver­brau­chen im Schnitt weni­ger Wohn­flä­che und tra­gen somit zu einem haus­häl­te­ri­schen Umgang mit dem Boden bei. «Die Initia­tive sorgt auch dafür, dass die drin­gend not­wen­di­gen ener­ge­ti­schen Sanie­run­gen, die in den nächs­ten Jah­ren auf uns zukom­men wer­den, sozi­al­ver­träg­lich umge­setzt wer­den kön­nen und nicht zu Miet­ex­plo­sio­nen füh­ren», erklärte Regula Rytz, Prä­si­den­tin der Grü­nen Schweiz. «Die Initia­tive ver­bin­det also Kli­ma­schutz mit den Mie­te­rIn­nen-Inter­es­sen.»

«Die Mie­ten sind in den letz­ten Jah­ren viel stär­ker gestie­gen als die Real­löhne. Die Kauf­kraft des Mit­tel­stan­des lei­det extrem. Zu Recht bekämpft die Initia­tive diese Ent­wick­lung», sagte Pierre-Yves Mail­lard, Prä­si­dent des Schwei­ze­ri­schen Gewerk­schafts­bunds. Wäh­rend einige Anle­ger sehr hohe Ren­dite erzie­len, zah­len die meis­ten immer mehr: «Diese Umver­tei­lung nach oben in Mil­li­ar­den­höhe muss gestoppt wer­den – und da spielt der gemein­nüt­zige Woh­nungs­bau eine zen­trale Rolle».

Start der Kam­pa­gne «Spe­ku­lan­ten stop­pen!»

Die heu­tige Medi­en­kon­fe­renz bil­dete den Start­schuss der gemein­sa­men Kam­pa­gne für ein Ja zur Initia­tive «Mehr bezahl­bare Woh­nun­gen». In der brei­ten Alli­anz enga­gie­ren sich Haus­ei­gen­tü­me­rIn­nen, Mie­te­rIn­nen, Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten, Gewerk­schaf­ten, Par­teien sowie Orga­ni­sa­tio­nen aus dem Jugend- und Alters- und Sozi­al­be­reich. Diese Woche star­tete eine natio­nale Pla­kat­kam­pa­gne. Akti­vis­tIn­nen der unter­stüt­zen­den Orga­ni­sa­tio­nen wer­den zudem in den nächs­ten Wochen zahl­rei­che Ver­teil­ak­tio­nen und Akti­vi­tä­ten in der gan­zen Schweiz durch­füh­ren.

Das will die Initia­tive «Mehr bezahl­bare Woh­nun­gen»

Die Initia­tive ver­langt, dass sich der Bund auf die För­de­rung des Ange­bots an preis­güns­ti­gen Miet­woh­nun­gen kon­zen­triert, dies in Zusam­men­ar­beit mit den Kan­to­nen.

Dazu ver­langt die Initia­tive einer­seits Mass­nah­men, um den Ver­lust von preis­güns­ti­gem Wohn­raum zu ver­hin­dern. Ande­rer­seits soll der Anteil der Woh­nun­gen im Eigen­tum gemein­nüt­zi­ger Bau­trä­ger erheb­lich stei­gen. In der Ver­fas­sung soll als Ziel­grösse fest­ge­schrie­ben wer­den, dass 10 Pro­zent aller neu gebau­ten Woh­nun­gen in der Hand gemein­nüt­zi­ger Bau­trä­ger sein sol­len.

Fer­ner will die Initia­tive ein Vor­kaufs­recht für Kan­tone und Gemein­den an geeig­ne­ten pri­va­ten Grund­stü­cken sowie an Grund­stü­cken des Bun­des und der bun­des­na­hen Betriebe, die in den Ver­kauf kom­men. Die Idee: Kan­tone und Gemein­den sol­len auf die­sem Weg ver­mehrt Grund­stü­cke erwer­ben und sie dann im Bau­recht an gemein­nüt­zige Bau­trä­ger wei­ter­ge­ben.

bezahlbare-wohnungen.ch



Bildquelle

  • Facade of a modern apart­ment buil­ding in the city: ah_fotobox/iStock

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