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In zahl­rei­chen Kan­to­nen ste­hen der­zeit Volks­ent­schei­de zu revi­dier­ten Ener­gie­ge­set­zen an. Prak­tisch als Schluss­fol­ge­rung der natio­nal beschlos­se­nen Ener­gie­stra­te­gie. Der Hausverein enga­giert sich dezi­diert für die­se Vor­la­gen, der­weil rück­wärts­ge­rich­te­te Kräf­te unter der Ägi­de des Haus­ei­gen­tü­mer­ver­bands HEV den Fort­schritt tor­pe­die­ren.

Die soge­nann­ten «Mus­ter­vor­schrif­ten der Kan­to­ne im Ener­gie­be­reich» MuKEn wur­den von der Kon­fe­renz der kan­to­na­len Ener­gie­di­rek­to­ren EnDK aus­ge­ar­bei­tet. Die Geset­zes­vor­la­gen sei­en dem­nach «der gemein­sa­me Nen­ner der Kan­to­ne» und betref­fen ins­be­son­de­re den Gebäu­de­be­reich: «Ein nach MuKEn rea­li­sier­ter Neu­bau wird noch rund 3,5 Liter Heiz­öl-Äqui­va­len­te an Wär­me­en­er­gie ver­brau­chen», schreibt die EnDK. Die Ver­brauchs­vor­ga­ben sei­en somit seit 1975 um über 75 Pro­zent gesenkt wor­den. Und wei­ter: «Damit neh­men die Kan­to­ne ihre ener­gie­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung zur Reduk­ti­on des Ener­gie­ver­brauchs im Gebäu­de­be­reich wahr.»

Gera­de als Durch­marsch funk­tio­niert dies aber nicht allent­hal­ben: So hat im Juni das revi­dier­te Ener­gie­ge­setz im Kan­ton Solo­thurn nach einer gna­den­lo­sen Angst­kam­pa­gne der ansäs­si­gen HEV-Kan­to­nal­sek­ti­on – wel­che von den Wirt­schafts­ver­bän­den sekun­diert wur­de – mit 70 Pro­zent Ableh­nung übel Schiff­bruch erlit­ten. Für Jürg Gros­sen, Prä­si­dent der grün­li­be­ra­len Par­tei und Hausvereins-Mit­glied, ein Zei­chen, «dass die Ener­gie­wen­de nur mit und nicht gegen die Wirt­schaft umge­setzt wer­den kann.» Es sei des­halb wich­tig, dass in den Kan­to­nen Geset­ze ent­stün­den, wel­che auch von gemäs­sig­ten Wirt­schafts­ver­tre­tern und Unter­neh­men unter­stützt wer­den. «So kann Orga­ni­sa­tio­nen, wel­che mit extre­men und undif­fe­ren­zier­ten Angst­kam­pa­gnen auf­tre­ten, glaub­wür­dig die Stirn gebo­ten wer­den.»

In wei­te­ren Kan­to­nen – zuletzt in Luzern – haben die Par­la­men­te und die Stim­men­den die Ener­gie­wen­de klar bestä­tigt. Wie­der­um anders­wo ste­hen die Ent­schei­de noch an. So wird nächs­tes Früh­jahr die Ber­ner Bevöl­ke­rung auf­grund eines vom HEV ange­streng­ten Refe­ren­dums über das Ener­gie­ge­setz befin­den. Der Hausverein Mit­tel­land stellt sich dezi­diert hin­ter die Vor­la­ge und wird sich im Abstim­mungs­kampf aktiv enga­gie­ren.

Noch sind nicht alle Kan­to­ne à jour

Anders­wo – etwa in Zürich – ist man der­weil noch nicht gar so weit: das Gesetz steckt dort noch in der Ver­nehm­las­sung. SP-Kan­tons­rat Jonas Erni, Vor­stands­mit­glied des Hausvereins Zürich, zeigt sich jedoch etwas ernüch­tert über den nun dis­ku­tier­ten Vor­schlag: «Die­ser ent­hält sogar weni­ger stren­ge Ener­gie­vor­schrif­ten als die Emp­feh­lung der Ener­gie­di­rek­to­ren-Kon­fe­renz.» So sehe der Ent­wurf kei­ne Pho­to­vol­ta­ik-Pflicht bei Neu­bau­ten vor. Jedoch sei eine bes­se­re Vor­la­ge ange­sichts der poli­ti­schen Mehr­heits­ver­hält­nis­se eher schwie­rig zu rea­li­sie­ren. Dabei: «In kei­nem ande­ren euro­päi­schen Land wird so viel Öl pro Kopf ver­heizt wie in der Schweiz. In Zukunft soll­ten des­halb gene­rell nur noch erneu­er­ba­re Hei­zungs­lö­sun­gen in Fra­ge kom­men.»

Die Ener­gie­di­rek­to­ren-Kon­fe­renz emp­fiehlt den Kan­to­nen, die Mus­ter­vor­schrif­ten mög­lichst unver­än­dert und voll­stän­dig in ihre kan­to­na­len Erlas­se auf­zu­neh­men. Was aber, wenn am Ende doch das Refe­ren­dum ergrif­fen und ein Gesetz an der Urne abge­lehnt wird? «Mit jedem Schei­tern wird die Umset­zung der Ener­gie­stra­te­gie im betrof­fe­nen Kan­ton wei­ter ver­zö­gert und die loka­le Inno­va­ti­on gehemmt», sagt Natio­nal­rat Jürg Gros­sen. Das Ende der Wen­de sei dies aber nicht: «Der natio­na­le Weg wur­de mit gros­sem Rück­halt beschlos­sen. Die tech­no­lo­gi­sche und die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung sind die Haupt­trei­ber hin zu mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz und erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Die Rich­tung stimmt, das Tem­po kön­nen die Kan­to­ne beein­flus­sen.»

Auch Ener­gie­fach­mann Andre­as Edel­mann, Co-Prä­si­dent des Hausvereins Zürich, ist sicher, dass der ein­ge­schla­ge­ne Weg unbe­strit­ten ist: «Wenn wir wei­ter dazu bei­tra­gen, dass der Markt für Ener­gie­lö­sun­gen, Tech­no­lo­gi­en und Anwen­dun­gen wächst und damit Arbeits­plät­ze für Hand­werk und Indus­trie ent­ste­hen, haben wir viel gewon­nen.»

Der Autor

Andreas Käsermann

Andre­as Käser­mann
Redak­tor «casanostra», Ver­ant­wort­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on Cas­a­fair Schweiz

Aus «casanostra» 147

casanostra 147 - September 2018



Bildquelle

  • Andreas Käsermann: Monika Flückiger
  • Close-up view of a household radiator valve and dial: rsaulyte/iStock

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